Sprachanalyse städtischer Websites

Große Budgets garantieren keine Klarheit: Was bürgernahe Städte beim Texten besser machen

Viel Personal in der Kommunikationsabteilung führt nicht automatisch zu verständlichen Behördeninformationen im Netz. Eine Auswertung zeigt, mit welchen redaktionellen Kniffen sich Städte an die Spitze setzen – und an welchen handwerklichen Hürden andere scheitern.

11. August 2026 · WORTLIGA-Redaktion · Behörden · aus der Studie


Symbolbild: Große Budgets garantieren keine Klarheit: Was bürgernahe Städte beim Texten besser machen
Symbolbild: WORTLIGA

Dass eine Großstadt über umfangreiche redaktionelle Ressourcen und große Fachämter verfügt, spiegelt sich nicht zwingend in der Textqualität ihrer Online-Auftritte wider. Eine Untersuchung von städtischen Bürgerinformationen mit dem Datenstand Januar 2024 belegt, dass gute Verwaltungssprache vor allem eine Frage des redaktionellen Handwerks ist. Für die Studie wurden insgesamt 475 Online-Texte aus 19 Mittel- und Großstädten analysiert. Das Einzugsgebiet dieser Kommunen umfasst rund 14 Millionen Einwohner. Die Auswertung zeigt deutlich: Wer auf sprachliche Basisregeln achtet, hängt selbst ressourcenstarke Metropolen ab.

Personalstärke schlägt sich nicht zwingend im Ranking nieder

Viele Kommunen stehen vor der Herausforderung, komplexe rechtliche Sachverhalte für die breite Bevölkerung aufzubereiten. Dass die Größe einer Stadt dabei nicht den Ausschlag gibt, zeigt der Blick auf das Mittelfeld der Untersuchung. So landet beispielsweise die Finanzmetropole Frankfurt am Main trotz professioneller Strukturen mit nur 37 Sprachniveau-Punkten auf dem 13. Platz. Auch andere große Standorte bleiben hinter ihren Möglichkeiten zurück, während kleinere Städte wie Lüneburg beweisen, dass eine bürgernahe Sprache durch gezielte Redaktionsarbeit machbar ist.

Entscheidend ist, ob Fachämter und Online-Redaktionen an einem Strang ziehen. Wenn rechtliche Vorgaben ungefiltert ins Netz gestellt werden, leidet die Verständlichkeit massiv. Insgesamt fielen 194 der 475 untersuchten Online-Texte durch einen komplizierten Aufbau und eine schwere Wortwahl auf.

Aktive Verben und kurze Sätze als Erfolgsrezept

Die Analyse der Spitzengruppe deckt auf, was erfolgreiche Kommunen handwerklich besser machen. Auf den Service-Seiten der gut platzierten Städte dominieren kürzere, aktive Sätze. Die Redaktionen verzichten bewusst auf reine Verwaltungsbegriffe und ersetzen diese durch alltagsnahe Vokabeln.

Besonders in Bereichen wie Corona-Hinweisen oder Erklärungen zur Wohnungssuche glänzen die Vorreiter durch eine klare Gliederung. Sie nutzen Zwischenüberschriften, Listen und Schritt-für-Schritt-Anleitungen, um die dichten Informationen aufzubrechen.

Typische Hürden versperren den digitalen Behördenweg

Auf der anderen Seite des Spektrums finden sich klassische sprachliche Stolpersteine, die den digitalen Zugang für Bürgerinnen und Bürger unnötig erschweren. Genau 173 der 475 untersuchten Texte fielen in die Kategorie „besonders kompliziert“. Hier bündeln sich die handwerklichen Fehler der Amtssprache.

„Der Nominalstil, bei dem Verben durch sperrige Konstruktionen wie ‚Durchführung der Antragstellung‘ ersetzt werden, sowie Passiv-Sätze ohne erkennbaren Akteur rauben den Texten jede Lebendigkeit und Verständlichkeit.“ – Quelle: Befund der WORTLIGA-Textanalyse

Hinzu kommen überlange Schachtelsätze, in denen Kommunen versuchen, mehrere Rechtsgrundlagen und Bedingungen in einem einzigen Atemzug abzuhandeln. Fach- und Rechtsbegriffe werden oft ohne jegliche Erläuterung vorausgesetzt, was Leser ohne juristische Vorbildung ausschließt. Wer bei digitalen Behördenanträgen nicht weiterweiß, greift in der Folge zwangsläufig wieder zum Telefon – was die Hotlines der Verwaltung unnötig belastet.

Brüche im Service-Pfad vermeiden

Ein weiteres Problem vieler städtischer Webseiten ist das uneinheitliche Sprachniveau. Während die Startseite oft noch klar und einladend formuliert ist, rutschen die Unterseiten zu konkreten Anträgen oder Förderrichtlinien abrupt in ein schwer verständliches Juristen-Deutsch ab.

Um diese Hürden abzubauen, müssen Städte klare redaktionelle Leitplanken setzen. Dazu gehören Vorgaben wie eine maximale Satzlänge, eine hohe Aktiv-Quote und das konsequente Verbot unnötiger Nominalketten. Nur wenn das Handwerk der Standardsprache in der gesamten Verwaltung ernst genommen wird, gelingt der Sprung aus dem schwer verständlichen Mittelfeld.


Dieser Beitrag beleuchtet das sprachliche Handwerk und die typischen Text-Hürden städtischer Webseiten. Alle Detailergebnisse, die methodischen Hintergründe zur Ermittlung der Sprachniveau-Punkte sowie das vollständige Ranking der 19 untersuchten Metropolen und Mittelstädte finden Sie in der kompletten Hauptstudie: Wie verständlich informieren deutsche Städte ihre Bürger?