Preiskalkulation ist für Freiberufler ein Wanderung auf Messers Schneide: Wer zu teuer ist, erhält die Zusage für Aufträge nicht. Oder er riskiert, dass er Auftraggeber an die günstigere Konkurrenz verliert. Wer zu günstig ist, arbeitet entweder unrentabel oder hetzt sich durch die Aufträge, worunter die Qualität schnell leidet.

Wenn Du Deine Preise optimal kalkulieren willst, sind also zwei Merkmale entscheidend: Was Du verdienen musst und was Du verdienen kannst. Das ist die Preisspanne, in der Du Dich bewegen wirst. Du solltest sie kennen, um Deine Preise so zu gestalten, dass sie Deinen Lebensunterhalt decken. Und damit Du genügend Zeit hast, hochwertige Inhalte zu verfassen.

Auch Auftraggeber sollten die Preisspanne kennen. Denn zum einen wollen sie sicherlich nicht zu viel bezahlen. Es ist jedoch ebenso wichtig, dass freie Autoren gute Arbeitsbedingungen haben, um hervorragende Qualität liefern zu können. Und weil Geld bekanntlich Zeit ist, funktioniert das nur mit fairer Bezahlung.

Herausfinden, was Du als Texter verdienen musst: Eine Beispielrechnung

Eine Preiskalkulation hast Du optimalerweise schon vor dem Beginn Deiner Selbstständigkeit durchgeführt. Es schadet jedoch nicht, die Rechnung von Zeit zu Zeit zu wiederholen. Du findest hier noch einmal die notwendigen Schritte:

Produktive Arbeitszeit berechnen

Zuerst musst Du Deine Arbeitszeit berechnen. Dazu ziehst Du alle Feiertage und Wochenenden ab. Reserviere Dir auch Krankentage und Urlaub. Rund zwei Wochen für Krankheit einzuplanen, ist durchaus sinnvoll. Möglicherweise willst Du auch Zeit für Kurse, Messen oder andere Maßnahmen haben, die Dich nach vorne bringen. Je nachdem, wie viel Urlaub Du dir „nimmst“, landest Du bei rund 190 bis 220 Arbeitstagen.

Im zweiten Schritt musst Du festlegen, wie viel Deiner Arbeitszeit pro Tag tatsächlich „produktiv“ ist. Als Selbstständiger bist Du auch für die Verwaltung, Akquise und Co. verantwortlich. Als Faustregel gilt, dass Du rund 50 Prozent deiner Arbeitszeit tatsächlich fakturieren kannst.

Kosten beachten

Dein eigenes kleines Büro, Dein Notebook, die Berufsversicherung oder Werbung: Als Freiberufler hast Du jährliche Kosten, die für Deine Honorarberechnung eine Rolle spielen.

Bruttozielgehalt bestimmen

Du musst festlegen, welches Gehalt Du als Freiberufler verdienen willst. Beachte dabei, dass Du Dein Gehalt nicht zu niedrig ansetzt, damit Du einen fairen Lohn erhältst. Für ein Unternehmen wärst Du oft nämlich noch deutlich teurer: Versicherungen, Arbeitsplatz, Altersvorsorge, Schulungen und Co. zeigen sich nicht bei der Gehaltsabrechnung.

Mindeststundensatz bestimmen

Nun addierst Du Dein Bruttogehalt und Deine Betriebskosten. Dann teilst Du diesen Betrag durch die Anzahl an Stunden, die Du im Jahr produktiv arbeitest. Damit hast Du deinen Mindeststundenlohn berechnet.

Du liegst unter dem errechneten Mindeststundenlohn? Dann solltest Du als freier Autor oder Werbetexter die Preise erhöhen. Denn Du tust dir zum einen selbst keinen Gefallen, wenn Du für weniger Geld arbeitest, als Du benötigst. Zum anderen schadest Du damit aber auch dem Markt, was wiederum auch anderen Textern die Existenzgrundlage entzieht.

Herausfinden, was Du verdienen kannst – mit dem Honorar-Rechner der WORTLIGA

Einzuschätzen, wie sehr Du Deine Preise erhöhen kannst, ist nicht ganz einfach. Denn hier spielt der Markt eine bedeutende Rolle. Du musst deswegen die Preise anderer freier Texter kennen.

Die gute Nachricht: Viele Unternehmen sind bereit, die Zeit von freien Textern auch fair zu entlohnen. Auch wenn der Stundenlohn auf den ersten Blick hoch erscheint, ist das Outsourcing dieser Arbeit oftmals deutlich günstiger und risikoärmer als die Festanstellung.

Um herauszufinden, was ein fairer Preis für Deine Leistung ist, kannst Du unseren Honorar-Rechner für freie Texter nutzen. Wir haben für die Datengrundlage Texter nach ihrem Honorar befragt, sodass Du einen guten Vergleich hast. Der Texter-Rechner hilft Dir zudem, wichtige Merkmale wie Länge und Vorkenntnisse einzupreisen. So kannst Du direkt erkennen, welcher Betrag für einen bestimmten Text angemessen ist.

Du hast bemerkt, dass Du deutlich günstiger bist als der Durchschnitt? Natürlich solltest Du Deine festen Auftraggeber nicht mit satten Preiserhöhungen überraschen. Eine kleine Anhebung gehen jedoch viele mit. Außerdem kannst Du zwischen Neukunden und Bestandskunden unterscheiden und so schrittweise Deine Preise erhöhen, ohne ein zu hohes Risiko einzugehen.

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