Wie verständlich berichten deutsche Online-Medien?
Repräsentative, datengestützte Untersuchung zur Verständlichkeit 16 führender deutscher Online-Medien.
Die Analyse offenbart eine signifikante Spreizung in der journalistischen Zugänglichkeit. Während der Durchschnittsscore bei soliden 53,3 Punkten liegt, zeigen sich große Unterschiede zwischen Boulevard und Qualitätszeitungen. Die Kernbotschaft: Komplexe Themen brauchen tiefe Verständlichkeit statt flache Vereinfachung.
Analyse: Warum die FAZ so schwer zu lesen ist
Am unteren Ende der Skala befindet sich die FAZ mit einem Score von 46,4. Der Unterschied zum Spitzenreiter BILD.de (61,4) beträgt exakt 15 Punkte. Unsere Daten zeigen eine extrem starke negative Korrelation (-0,97) zwischen Satzlänge und Verständlichkeit.
Der entscheidende Faktor ist die Satzlänge:
- BILD.de: Durchschnittlich 11,5 Wörter pro Satz.
- ZDFHeute: Durchschnittlich 12,4 Wörter pro Satz.
- FAZ: Durchschnittlich 15,9 Wörter pro Satz.
Ein Unterschied von über 4 Wörtern pro Satz führt zu einer erheblich höheren kognitiven Belastung. Hinzu kommen bei den Schlusslichtern (FAZ, N-TV, Tagesspiegel) gehäufte Stilfehler wie Nominalstil ("Gewährleistung", "Sicherung") und Passivkonstruktionen.
Ressort-Check: Krieg vs. Gesundheit
Nicht jedes Thema wird gleich verständlich aufbereitet. Unsere Analyse der Kategorien zeigt klare Tendenzen:
- Gesundheit: Score 56,4 (Am verständlichsten)
- Digital: Score 54,9
- Politik: Score 51,2
- Krieg: Score 49,1 (Am schwersten verständlich)
Texte über Kriege leiden oft unter komplexen geopolitischen Kausalketten und Passivkonstruktionen ("Es wurde gemeldet, dass...").
Handlungsempfehlungen für Redaktionen
- Satzlänge radikal kürzen: Ziel sollten 12 Wörter pro Satz sein. Alles über 18 Wörter blockiert den Lesefluss.
- Nominalstil aufbrechen: Wörter auf -ung, -keit oder -heit blähen Texte auf. Verwenden Sie Verben!
- Experten redigieren: Übernehmen Sie Gastbeiträge nicht unredigiert (oft Score 30). Übersetzen Sie Fachjargon.
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Die Studie zeigt: Komplexität ist oft eine redaktionelle Entscheidung, kein Naturgesetz. Helfen Sie mit, Journalismus verständlicher zu machen.
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