Studie · KI

Studie Im Auftrag von SISTRIX

Wie wirksam kommuniziert KI in Marketing und Vertrieb?

2.112 B2B-Texte, drei Flagship-Modelle: Kein Modell erreicht im Schnitt den grünen Bereich ab 60 Punkten – Claude führt, GPT-5.5 fällt ab.

15. Juni 2026 · Eine Untersuchung der WORTLIGA-Redaktion

Im Auftrag von SISTRIX hat WORTLIGA 2.112 KI-generierte B2B-Texte geprüft – Erhebung vom 11. Mai bis 11. Juni 2026, über 522.000 Wörter, 8 Branchen, 11 Textgattungen und 8 Prompt-Stile. Die Kernbotschaft ist klar: Moderne Sprachmodelle schreiben nicht von Haus aus überzeugend. Ohne Leitplanken und redaktionelle Qualitätssicherung bleibt Marketing- und Vertriebs-Content riskant.

Die Generierung von Texten durch Künstliche Intelligenz verspricht Effizienzgewinne. Die objektive Lesbarkeitsanalyse entzaubert den Mythos, Flagship-Modelle lieferten „von allein“ exzellente B2B-Texte. Der Gesamtdurchschnitt liegt bei 44,1 Punkten (Skala 0–100). Für B2B gilt ein Wert ab 60 Punkten als optimal – gut lesbar und zugleich professionell. Kein der drei getesteten Modelle erreicht diesen Korridor im Mittel.

„Die Daten zeigen, dass KI-Modelle von Haus aus keine überzeugenden B2B-Texte schreiben.“ – Gidon Wagner, WORTLIGA

Executive Summary

Platz Modell Ø WORTLIGA-Score Auffälligkeit
1 Claude Opus 4.7 47,7 Stabilste Ergebnisse, nur 466 Passiv-Treffer
2 Gemini 3.1 Pro 46,8 Höchste Füllwort-Last (6.947)
3 GPT-5.5 37,7 8.527 Nominalstil-, 824 Passiv-Treffer

Verteilung der Modell-Mittel: 1 Modell unter 40 Punkten, 2 im Band 40–49, 0 im Band 50–59, 0 im grünen Bereich ab 60. Die Standardabweichung der Modell-Mittel liegt bei σ = 4,5.

Warum das für Marketing und SEO zählt

Johannes Beus, Gründer und CEO von SISTRIX, hat die Studie beauftragt und begleitet:

„Ob ein Text von einem KI-System korrekt interpretiert wird, hängt unter anderem von seiner sprachlichen Klarheit und Struktur ab. Was lange als ‚nice to have‘ galt, ist heute aus Accessibility-Sicht und aus der Perspektive maschinenlesbarer Inhalte ein starkes Qualitätskriterium.“

„Es ist eine ehrliche Bestandsaufnahme dessen, was künstliche Intelligenz heute tatsächlich leistet – und wo der Mensch unverzichtbar bleibt.“

Lesbarkeit ist damit kein Stilgeschmack mehr, sondern Voraussetzung für Vertrauen, Lead-Generierung und korrekte Interpretation durch Such- und Antwortsysteme.

Fünf zentrale Erkenntnisse

1. Erhebliche Qualitätsunterschiede zwischen den Modellen

Claude Opus 4.7 geht mit 47,7 Punkten als Gesamtsieger hervor und liefert die stabilsten Ergebnisse. GPT-5.5 fällt mit 37,7 Punkten deutlich ab: Das Modell flutet Texte mit 8.527 Nominalstil-Ausprägungen und 824 Passivkonstruktionen. Ohne strikte Leitplanken verfällt es in künstlich-akademischen B2B-Jargon.

2. Der Chamäleon-Effekt des Promptings

KI-Modelle spiegeln den Schreibstil des Prompts nahezu blind. Zwingt man sie in einen formellen „Beamten“-Stil (Prompt-Kategorie 5_beamter), stürzt die Lesbarkeit bei allen Modellen auf einen Durchschnitt von 4,4 Punkten. Ein schlampiger Prompt erzeugt schlampigen Content – modellübergreifend.

3. Das Paradoxon der Überkompensation

Fordert man extrem hohe Verständlichkeit, steigen die Scores auf durchschnittlich 79,4 Punkte. Der Preis: Die Modelle verfallen in naive Kindersprache (A2-Niveau) mit abgehackten Stakkato-Sätzen – für B2B-Entscheider ungeeignet. Mehr Score ist nicht automatisch bessere Kommunikation.

4. Formatgrenzen werden ignoriert

Bei schlechten Stilvorgaben ignorieren die Modelle das gewünschte Format. Absurdes Ergebnis: Ausgerechnet Cold-Outreach-Mails – die von Kürze leben – weisen im Gesamtdurchschnitt mit 14,7 Wörtern pro Satz die längsten Sätze des Berichts auf. Im Vertrieb ist das ein sofortiges K.-o.-Kriterium.

5. Best Practice allein reicht nicht

Die Prompt-Kategorie 7_bestpractice liefert mit 49,3 Punkten die beste Balance. Ein explizites Verbot von Passiv und Floskeln führt bei Gemini und GPT zu 0 Passiv-Fehlern. Dennoch bleibt selbst dieser Bestwert unter 60. Gute Prompts sind die halbe Miete – ohne anschließende Qualitätssicherung und gezielte Optimierung erreichen KI-Texte das nötige Niveau nicht.

Datenbasis und Methode

Dimension Umfang
Texte 2.112 KI-generierte B2B-Texte
Stichprobe qualitativ 450 repräsentative Texte
Modelle Claude Opus 4.7, Gemini 3.1 Pro, GPT-5.5
Branchen 8 B2B-Segmente
Gattungen 11 (u. a. Ads, Fachartikel, E-Mails, Landingpages)
Prompt-Stile 8 Kategorien (von „Beamter“ bis Best Practice)
Volumen über 522.000 Wörter
Erhebung 11.05.2026 – 11.06.2026

Auswertung mit dem WORTLIGA-Score (0–100) und Fehlerklassen: Passiv, Nominalstil, Füllwörter, lange Sätze, Floskeln. Kontrollierte Generierung über Modelle × Branchen × Gattungen × Prompt-Stile.

Was das für Teams bedeutet

  1. Modellwahl ist messbar – Claude und Gemini liegen deutlich vor GPT-5.5, keines erreicht von allein den Zielkorridor.
  2. Prompting ist Produktionsfaktor – schlechte Stilvorgaben zerstören Lesbarkeit und Formattreue.
  3. QS bleibt Pflicht – Best-Practice-Prompts heben das Niveau, ersetzen aber keine redaktionelle Freigabe.
  4. Vertrieb braucht Kürze – wenn Outreach-Mails die längsten Sätze liefern, scheitert der Funnel an der Sprache.

Fazit

Effiziente Content-Erstellung liegt nicht in blinder Automatisierung, sondern in präziser menschlicher Steuerung: klare Prompts, Verbot toxischer Stilmittel, redaktionelle QS. Die Analyse von 2.112 Texten zeigt, was KI heute leistet – und wo der Mensch die Qualität erst herstellt.

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