Ich wusste eins: Ich will Journalist werden! Genaugenommen war ich es schon. Mit 16 schrieb ich ehrenamtlich für Gaming-Portale, leitete eines als Chefredakteur. Eine klassische Ausbildung habe ich nie gemacht. Dafür saß ich gleich nach meinem missratenen 3,5-Fachabitur als angestellter Redakteur in einem Computerspiele-Verlag und machte mich kurz darauf selbstständig. Das Erfolgsrezept: Gut sein wollen, besser sein wollen. Dann schaffst Du es zum selbstständigen Texter und bleibst es.

Texter als Quereinsteiger: Mein harter, schöner, aufregender Weg 

Meinen ersten und einzigen Job bekam ich auf Empfehlung: Ich hatte als ehrenamtlicher Online-Redakteur News-Meldungen geschrieben und dort Kai kennengelernt – ein ebenfalls hobbymäßiger Web-Worker und Gamer. Wir wohnten zufällig beide in München. Während ich gerade erst mit der Schule fertig war, hatte der etwas ältere Kai es zum Mediengestalter-Azubi gebracht. Er sagte eines Abends nach einer Redaktionssitzung mit anderen Ehrenamtlichen: „Gidon, wir suchen zum Anfang nächsten Jahres einen Online-Redakteur.“ Kai konnte den Satz nicht fertig sprechen, schon jubelte ich und fragte ihn aus. Und am nächsten Tag bewarb ich mich bei seinem Chef. 

Ohne Hartnäckigkeit geht nichts

Da durfte ich die erste Hürde meiner Karriere nehmen und eine bis dato verborgene Qualität unter Beweis stellen. Ein Selbstständiger braucht sie: Hartnäckigkeit. Kais Chef, Ralf, war nämlich alles andere als gut zu erreichen. Nachdem ich ihm eine E-Mail geschrieben hatte, sollte ich ihn anrufen. Also blieb ich dran und rief Ralf über eine Woche jeden Tag an. 

Irgendwann ging Ralf dran und eröffnete mit den Worten: „Hartnäckig, das mag ich!“ Von Ralf habe ich viel gelernt; er war der Unternehmer, der ich werden wollte. Fürs Erste war ich froh über die Aussicht auf einen echten Job und ein Bewerbungsgespräch. Als ich bei Kais Chefs aufschlug, war ich unendlich nervös. Aber ich kann mich gut präsentieren, glaube ich. 

Ich weiß nicht, was sie am Ende überzeugt hat; Kais Empfehlung? Meine jahrelange Erfahrung im journalistischen Schreiben (ich war erst 22)? Mein selbstsicheres, wenn auch sicher naives Auftreten? Oder dass wir uns sofort gut verstanden hatten? Ich Wicht hatte die Hosen voll, saß an einem Konferenztisch drei Geschäftsleuten gegenüber und wir plauderten über Online-Texte. Über das geplante Portal. Über Suchmaschinenoptimierung. Ich liebte meinen Job schon jetzt, obwohl ich ihn noch nicht hatte. Zwei Tage später hatte ich ihn dann.

Berufen sein zur Selbstständigkeit als Online-Texter

Ab hier schrieb ich bezahlt. Das war ein gutes Gefühl. Und trotzdem träumte ich von mehr. Vor allem wollte ich meine eigenen Ideen umsetzen. Suchte in meiner Phantasie fieberhaft nach einem Firmennamen, zeichnete in der Pause Logo-Entwürfe, startete einen eigenen Blog über München und gutes Leben in der Stadt. Nebenbei machte ich meine private Akademie-Ausbildung fertig, die ich noch vor meiner Anstellung begonnen hatte. Um „irgendwas zu haben“. 

Von alten Hasen lernen: Ohne Profi-Feedback wird niemand zum guten Texter

In den Abendkursen lernte ich noch ein bisschen mehr von meinen Dozenten. Das waren zum Teil gestandene Autoren vom SPIEGEL und mit eigenem Verlag. Da schickte uns der Dozent  spontan raus zum Reportage schreiben, Stift und Aufnahmegerät in den schwitzigen Fingern. Aber viel wichtiger war das Feedback, der Ärger, die genervten Blicke und der Rotstift meiner erfahrenen Kollegen im Büro, als ich mich an ihren Pressemitteilungen und Produkttexten versuchte. Neue Disziplinen für mich.

Und diese harte Kritik widerfuhr ausgerechnet mir, wo ich dachte, ich könnte alles! Langsam wusste ich, dass ich nichts wusste. Näherte mich mit meinen Texten dem an, was meine Kollegen haben wollten. Und als meine Lieblingskollegin dann die ersten Male sagte, „hast Du gut gemacht“, wusste ich, dass ich den Text nicht umsonst zweimal neu geschrieben hatte. 

Ich hatte meine und ihre Ansprüche erfüllt. Ich wollte noch immer besser werden. Ich versuchte zu verstehen, warum sie die Einleitung anders haben wollte, warum ich nicht „können“ schreiben sollte. Warum meine Überschriften nicht richtig und langweilig waren. Ich war am Ziel meiner Ausbildung angekommen. Ich hatte eine Quelle der Erfahrung, an der ich meinen Wissensdurst stillen konnte. Nicht mehr nur an psychologischen und journalistischen Büchern, sondern an der Erfahrung alter Hasen. 

Lust auf Selbstständigkeit!

Fast noch besser war, als Ralf eines Morgens reinkam und mir – nach vorausgegangenem Gespräch – die Kündigung auf meinen Schreibtisch legte. Es war offiziell: Das Unternehmen konnte mich nicht mehr halten. Neue Strategie. Und ich war glücklich. Endlich konnte ich mich selbstständig machen, meine Ideen umsetzen! Hatte genug Zeit im Büro meines ersten und einzigen Arbeitgebers verbracht, um Anspruch auf den Gründerzuschuss zu haben. Den brauchte ich; ein finanzielles Polster oder reiche Eltern gab es nicht.

Am Anfang rotieren, dann in Ruhe ausrichten

Ich habe Talent, meinen Kalender und Zeitplan mehr als vollzustopfen. In meiner Zeit als angestellter Redakteur war ich kurz mit Suchmaschinenoptimierung in Berührung gekommen und ich fühlte, dass ich hier mehr lernen sollte. Also machte ich mich nicht nur selbstständig und fing an, meinen Business-Plan für den Zuschuss zu schreiben. Ich bewarb mich auch um ein Praktikum in einer SEO-Agentur, deren Chef ich in meiner Zeit als Angestellter kennengelernt hatte. Der schlug sofort ein – da waren sie, meine ersten 80-Stunden-Wochen. 

Tagsüber optimierte ich die Seiten-Titel der Agentur-Kunden, pflegte Social Media-Accounts, überarbeitete Website-Texte. Abends bemühte ich mich um meine ersten Aufträge. Die hatte ich schnell, auch weil Kai mir Tipps gab, wie ich meine Website aufbauen sollte. Außerdem war mein Praktikum in einem Gemeinschaftsbüro, wo ich mich schnell mit anderen Selbstständigen und Unternehmern vernetzte. Sie konnten meine Schreiberei brauchen. Ich war mitten im kalten Wasser und ich liebte es. Ich sah voller Zuversicht in die Ferne, auch wenn ich mich von Miete zu Miete rettete.

Mach Dir schnell eine Website

Ich bloggte damals also auf wortliga.de, die ich frisch registriert hatte. Mein erster erfolgreicher Artikel waren die „10 Regeln für den optimalen Webtext“. Außerdem erschien ich bald zu „Texter München“ auf der ersten Google-Seite. Was will man mehr? Darüber kamen bald die ersten Kunden und regelmäßig neue Anfragen. Ich dachte, da passiert ein Wunder. Die WORTLIGA, meine eigene Firma, sie lebt! Ich kaufte mir alles in Grün: Locher, Tacker, Ordner. Stolz war ich. 

So sah es hier vor 10 Jahren aus – 2010 – die erste Version der WORTLIGA-Website

An meine ersten selbstständig verdienten 50 Euro kann ich mich gut erinnern. Ein Münchner Kunde gab sie mir bar in die Hand, vor meiner Haustür. Ich fühlte mich so selbstständig, als ich die Tür hinter mir schloss. Auch, wenn es ohne Gründungszuschuss knapp geworden wäre.

Für Kunden schreiben ist anders

Nun übte ich nicht mehr nur schreiben, wie es mir gefiel. Ich stellte mich auf die Wünsche meiner Kunden ein. Die wollten komische Sachen – zum Beispiel, dass dieselben Wörter ganz oft im Text vorkamen. Ich lernte im Praktikum und in meinen eigenen Aufträgen: Das sind „SEO-Texte“. Später verstand ich, dass das nichts mit SEO zu tun hat, sondern mit kurzlebiger Trickserei. 

So wurde ich zum SEO-Texter und entwickelte mich sogar etwas zurück. Es zählten Qualitäten wie die, Wörter in bestimmter Häufigkeit unauffällig in einen Text zu packen. Der Leser rückte in diesen Überlegungen in den Hintergrund. Diese Rückentwicklung gipfelte darin, dass ich eine große Anfrage bekam, in der es nur noch um Content-Management ging. Darum, zugekaufte Texte mit Werbelinks auf ein gigantisches Seiten-Netzwerk zu pflegen und die „Qualität“ zu sichern. 

WordPress-Erfahrung hatten ich und mittlerweile mein Kollege und langjähriger Freund David. Mit ihm hatte ich – zusammen mit dem Fotografen Thomas – nebenbei ein kleines Magazin über Fotografie aufgebaut. 

Quereinsteigen heißt flexibel bleiben

Als der besagte Kunde mit der Content-Management-Anfrage mein Angebot bestätigte, rief ich zuerst David an und fragte ihn, ob er dabei sei. Es ging um Hunderte Texte, die wir produzieren lassen, einpflegen und veröffentlichen sollten. Es entstand nach und nach eine richtige Firma, die mit der Zeit mehr als diesen einen Großkunden hatte. Langsam fand ich zurück zu meinen Wurzeln als leidenschaftlicher Texter. Wir machten anspruchsvollere Projekte für mehr Kunden. Das Team wuchs, darunter ein Informatiker, der zuerst Kunde, dann Geschäftspartner wurde. Und so entstand durch Umwege und Zufälle unsere Software für Texter, die WORTLIGA Textanalyse.

Und das Erfolgsrezept? Dran bleiben. Vor allem als Quereinsteiger

In all den Jahren war mein Können als Texter nur eine von vielen wichtigen Qualitäten gewesen. Zuverlässigkeit – dank dem Zusammenschluss mit David – war eine andere; Hartnäckigkeit und der unbedingte Wille, selbstständig zu sein eine weitere. Und eine Qualität lernten wir zuletzt: Beständigkeit. Nicht gleich etwas Neues probieren, weil etwas scheinbar nicht funktioniert. 

Alles in der Selbstständigkeit braucht Zeit. Niemand kauft Dein Produkt oder Deine Leistung, weil Du sie gestern ins Netz gestellt oder einen Laden aufgemacht hast. Alles, was Du veröffentlichst, braucht Zeit. Deine Aufmerksamkeit. Vielleicht eine Korrektur. Wenn es heute nach Scheitern aussieht, warte ein paar Tage ab. Ändere nicht gleich alles, sondern mach erstmal kleine Anpassungen an dem, was Du probierst. Und am Ende geht es darum, dass Du Kontakt zu anderen Menschen hast. Vernetzt sein ist als Quereinsteiger wichtig, überlebenswichtig. Fang besser heute als gestern an, mit Leuten zu reden. So wie ich mit meinen ehrenamtlichen Kollegen aus dem Kinderzimmer heraus.

Schaff Deine eigenen Referenzen

Mich hat nie jemand nach meiner Ausbildung gefragt, weil ich mich nie beworben habe. Stattdessen habe ich meine eigenen Referenzen geschaffen. Unser Foto-Magazin war für meinen ersten Großkunden Beweis genug, dass wir Seiten betreuen und pflegen können. Auch hier spielte wieder eine Empfehlung aus meiner Zeit als Ehrenamtlicher eine Rolle.

Ich will nicht, dass Du jetzt losziehst und ehrenamtlicher Schreiber wirst. Trotzdem musst Du etwas gemacht haben, um Dich als Praktiker und Könner zu zeigen. Und wenn Du Quereinsteiger bist, musst Du Referenzen schaffen.

Wenn wir bei der WORTLIGA Texter suchen, ist uns ihr Abschluss egal. Uns interessiert, was Du kannst und was Du gemacht hast. Und Textern, die unseren Online-Kurs mit erfolgreicher Zertifizierung durchlaufen, bringen wir noch mehr Vertrauen entgegen.

Bleib dran und kümmere Dich um Dich

Wir haben schon über Hartnäckigkeit gesprochen. Ohne diese Fähigkeit wäre ich nicht an meinen ersten Job und vielleicht nicht in meine Selbstständigkeit als freier Texter gekommen. Hartnäckigkeit hat aber immer einen Preis: Sie lässt mich meine anderen Bedürfnisse vergessen. Ich schreibe, bis mir schwindlig wird und arbeite jahrelang, ohne mich um mich als Mensch zu kümmern. Hobbys verkümmern, Freundschaften werden zu Erinnerungen. Begegne Deiner Hartnäckigkeit durch einen liebevollen Umgang mit Dir. Es geht nicht anders, sonst finden wir uns eines Tages als halbtote Arbeitsmaschinen in einem dunklen Büro wieder.

Hör nie auf, besser zu werden

Ich reihe mich ein in eine lange Liste von Menschen, die diese Weisheit von sich geben: Wenn Du aufhörst, besser sein zu wollen, hast Du aufgehört, gut zu sein. In jeden Text stolpere ich rein und muss ihn zum Schluss von Geschwätzigkeit und Auswüchsen befreien. Und ich muss ihn vor meinem oft zu kreativen, helikoptermäßigen Verstand retten, den roten Faden aus dem Chaos heben. Jeder geht anders an Texte ran – ich eben spontan und mit freiem Lauf. 

Ja, das klappt besser, wenn man seit über 15 Jahren schreibt. Aber nach wie vor habe ich in jedem Text den Anspruch, besser zu sein als gestern, besser als vor einem Jahr, besser als vor fünf Minuten. Ich bin nie ganz zufrieden. Ich will etwas schaffen, das meinen Lesern weiterhilft, das meine Kunden lieben. Und ich sorge mich immer darum, es nicht gut genug zu machen. Das macht mich besser, aber auch zu einem Getriebenen. Ich musste lernen, irgendwann abzuschalten und abzugeben. Dieser Anspruch bewahrt mich davor, träge und nachlässig zu werden. Deswegen liebe ich die Arbeit mit der Textanalyse, weil sie immer noch etwas aus mir herauskitzelt. 

Wie ich in meinem Kurs empfehle, geht es um die richtige Dosis Perfektionismus. Zu viel macht uns krank – zu wenig macht uns schlecht. Sei ein besserer Texter und liebe es, mit Deinen Lesern zu interagieren. Das macht diesen Job so schön und interessant. Und es macht uns erfolgreich.

Übrigens: Kais Werdegang

Bild: Muscat_Coach

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