Über den Genuss am Schreiben und was einen Texter erfolgreich macht – drei Profis teilen ihre Erfahrungen

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Du willst einfach drauf los schreiben, aber das leere Word-Dokument lacht Dir hämisch entgegen? Du möchtest deine Fähigkeiten als Texter verbessern, aber Dir fehlt der richtige Input? Gestandene Profis verraten Dir hier, was sie inspiriert und welche technischen Hilfsmittel sie verwenden. Außerdem geben sie Dir Tipps für eine erfolgreiche Karriere als freiberuflicher Texter.

Unsere Interviewpartner im Portrait:

Sarah Kreilaus liebt die Vielseitigkeit von Content – und ihres Berufs. Von SEO bis PR, Blogartikel bis WhitepaperMedizin bis Finanzen: In elf Jahren Freiberuflichkeit hat sie die unterschiedlichsten Texte für verschiedenste Kunden verfasst. Texten versteht sie als Handwerk, bei dem der Kontext genauso wichtig ist wie das kleine Detail auf Wortebene.


Sabine Hutter ist seit 14 Jahren freiberufliche Texterin und Onlineredakteurin. Sie betreut mehrere Blogs und Magazine, betextet neue und bestehende Websites oder bringt Fakten in spannenden Whitepapers in die richtige Form. Ihr Fokus liegt auf dem gesamten Bereich der Unternehmensführung, von der Existenzgründung über HR und Steuerrecht bis hin zu Marketing und Software.

Patrick Schroeder ist freier Journalist und PR-Berater aus Köln. Er schreibt seit 2006 für Magazine, Zeitungen, Unternehmen und Agenturen – meist über Technik, IT und Industrie 4.0.

Was ist für Dich das Schönste am Schreiben?

Sarah: Das Schönste am Schreiben ist für mich die Zeitunabhängigkeit: Es ist egal, wie viel Zeit ich benötige. Ich kann gründlicher nachdenken und recherchieren, an der Formulierung feilen und so Texte verständlicher und überzeugender machen, als ich es verbal könnte. Und zugleich kann sich der Leser so viel Zeit nehmen, wie er möchte. Und das zu dem Zeitpunkt, an dem er es möchte.

Sabine: Ganz klar: die Vielseitigkeit. Ich kann zu viel Routine nicht ertragen – das treibt mich selbst bei der schönsten Arbeit früher oder später in die Flucht. Ich liebe es, mich immer wieder in neue Themen einarbeiten zu dürfen, Neues kennenzulernen und in spannender Form zu Papier (oder auf den Bildschirm) zu bringen. Ich bin zwar auf bestimmte Themen spezialisiert, schreibe aber auch mit Vorliebe über Bereiche, von deren Existenz ich vorher nicht einmal wusste. Das reizt mich fast mehr als Themen, über die ich schon viele Male geschrieben habe.

Patrick: Im Flow zu sein, das Gefühl zu haben, dass plötzlich alles zusammenpasst: Inhalt und Stil. Dieser Zustand stellt sich allerdings nicht automatisch ein. Vorarbeit ist gefragt. Bevor ich schreibe, konzentriere ich mich zu 100 Prozent auf den Inhalt. Ich versuche, alle Informationen zu sammeln, zu verstehen und in Relevanz für den Leser zu übersetzen. Sobald ich weiß, was ich sagen will, tauche ich ins Schreiben ein und nehme nur den Stil in den Fokus. Wenn dann die Zahnräder Inhalt und Stil ineinandergreifen, ist das für mich am Schreiben das Schönste. Außerdem: Ständig neue Welten, Technologien und Menschen kennenlernen und mit der Zeit ein Wissensnetz spinnen. Routine stellt sich nie ein.

Zeitunabhängig sein, vielseitiges Arbeiten, voll im Flow sein – oder etwas ganz anderes? Was ist für Dich das Schönste am Schreiben? Hinterlasse uns einen Kommentar!

Was ist für Dich das Wichtigste an einem Text?

Sabine: Jeder Text sollte das Bedürfnis des Lesers nach Information decken. Das hört sich vielleicht platt an, ist aber tatsächlich das zentrale Ziel. Ich überlege mir zu Anfang immer: Welches Problem könnte ein Mensch gerade haben, der das Hauptkeyword des Textes in eine Suchmaschine tippt? An diesem Punkt hole ich den Leser ab und führe ihn zur Lösung – und das am besten ohne lange Umwege. Selbst der umfangreichste Text, der ein Thema komplett beleuchtet, geht an der Zielgruppe vorbei, wenn er deren Probleme nicht löst.

Sarah: Das Wichtigste an einem Text ist für mich, dass er die Hoffnungen und Bedürfnisse des Lesers erfüllt. Ob das Problemlösung, Unterhaltung, Bildung oder Perspektivwechsel ist, ist egal. Aber ein Text sollte das Leben des Lesers zumindest ein ganz kleines bisschen besser machen, indem er erfüllt, was dieser sucht.

Hast Du Erfahrung mit Schreibblockaden und wie gehst Du damit um?

Sarah: Weniger als zu meiner Studienzeit, aber gelegentlich begegnen sie mir noch. Ich quäle mich erst ein bisschen rum und dann analysiere ich, woran es liegt.

Meistens ist es einer von zwei Gründen: Entweder ich will es zu gut machen – dann befreie ich mich bewusst von dem Anspruch, dass der erste Entwurf sitzen muss. Ich werde den Text später sowieso noch einmal überarbeiten. Es ist einfacher, dann aus etwas Vorhandenem etwas Besseres zu formen als direkt einen Volltreffer zu erwarten. Der zweite Grund ist, dass ich einfach noch nicht genug weiß. Dann recherchiere ich weiter oder frage bei Unklarheiten im Briefing noch mal nach.

Sabine: Die meisten Texter sehen sich früher oder später mal einer Schreibblockade gegenüber – da nehme ich mich selbst nicht aus. Manchmal betrifft das nur einen einzelnen Text oder einen bestimmten Auftrag, zu dem ich den Zugang nicht so recht finde. Da hilft es mir, einfach in der Mitte anzufangen statt am Anfang. Dann kommt der Rest oft ganz von selbst.

Ich kenne auch Phasen, in denen gefühlt einfach „nichts“ geht. Dann nehme ich mir gezielt ein, zwei Tage Auszeit, an denen ich überhaupt nichts mit Texten mache. Danach geht es wieder wie gewohnt weiter.

Patrick: Nein, Schreibblockaden im Technikjournalismus sind mir noch nicht begegnet. Das Gebiet ist sehr rational und berechenbar. Wenn ich einen schlechten Tag habe und mir nichts Kreatives wie eine schöne Metapher einfällt, bleibe ich einfach bei meinem Steckenpferd: Komplizierte Technologien und Sachverhalte in eine einfache Sprache verpacken und den Nutzen auf den Punkt bringen. Das ist nicht poetisch und gelingt eigentlich immer. Anders beim Songwriting in meiner Freizeit. Hier habe ich quasi schon seit zehn Jahren eine chronische Schreibblockade, weil die Texte poetischer sind und mich nie wirklich zufriedenstellen. Flow kenne ich da kaum.

Waren die Tipps der Profis zum Thema Schreibblockade hilfreich für Dich? Hast Du andere erfolgreiche Methoden? Kommentiere hier!

Benutzt Du Tools zur Textanalyse?

Patrick: Ja, nach einigen Stunden schreiben bin ich besonders bei Flüchtigkeitsfehler wie Begriffsdopplungen betriebsblind. Hier benutze ich seit Jahren die Software Papyrus Autor, die Dopplungen sofort sichtbar macht. Außerdem verwende ich das Textanalyse-Tool der WORTLIGA. In puncto Stilanalyse ist das Tool wirklich super. Es zwingt mich immer wieder dazu, prägnant zu schreiben. Der Lesbarkeitsindex gefällt mir auch sehr gut. Das Tool ist allerdings auch unbestechlich und herausfordernd.

Sabine: Normalerweise eher nicht. Ehrlich gesagt stört es mich, wenn ein Tool jede Passivkonstruktion, jedes Füllwort und jeden langen Satz herauskorrigiert. Für mich gehören die – wohldosiert – zur natürlichen Sprache dazu. Insgesamt verlasse ich mich da ganz auf mein Sprachgefühl. Wenn der Kunde bestimmte Anforderungen im stilistischen Bereich stellt, nutze ich natürlich schon kleinere Tools, um den Flesch-Index oder die Satzlängen eines Textes zu analysieren.

Seit einiger Zeit arbeite ich fest mit einer Lektorin zusammen, die so ziemlich jeden Text gegencheckt, ehe er an den Kunden rausgeht. Das nimmt bei mir einiges an Druck raus – beim eigenen Lektorat übersieht man schon einmal etwas.

Sarah: Ich benutze Papyrus Autor und das WORTLIGA-Tool. Sie machen mich beide auf unterschiedliche Schwächen aufmerksam. Das WORTLIGA Tool hilft mir bei der Übersicht sehr. Wenn ich Kategorien auswähle, kann ich zudem eine bestimmte Schwäche des Textes konzentriert verbessern. Das Ampelsystem als Gamification-Element zieht bei mir: Es ist für mich immer Motivation, hier und da noch einmal etwas zu verbessern. Papyrus Autor zeigt mir genauer an, welche Absätze nicht lesbar genug sind und hat den Duden Korrektor an Bord. Außerdem kreidet mir das Programm schwache Adjektive an.

Auch Profis setzen auf Selbstkontrolle durch Tools oder ein professionelles Lektorat. Das WORTLIGA Textanalyse-Tool hilft vielen von ihnen bei ihrer täglichen Arbeit.

Welche Bücher, Videos, Artikel oder Kurse haben Dir dabei geholfen, ein besserer Texter zu werden?

Sarah: An Wolf Schneider kommt niemand vorbei, der sich gründlich mit seinem eigenen Stil auseinandersetzen möchte. Deutsch für Profis ist wohl der Klassiker. Es hat auch mich zur Reflektion angeregt und mir dabei geholfen, sprachliche Konventionen zu hinterfragen, die eigentlich niemandem nutzen. Und stattdessen Einfachheit in der Sprache nicht nur zuzulassen, sondern anzustreben.

Die Reporterfabrik veröffentlicht kurze Tutorials und Podcasts zu unterschiedlichen journalistischen Skills. Kluge Köpfe, interessante Meinungen und Tipps für gar kein oder wenig Geld und ein überschaubarer Zeitrahmen je Thema überzeugen mich immer wieder von diesem Projekt. Ich arbeite zwar nicht als Journalistin, aber Recherche, Interviewtechniken aus dieser Perspektive zu sehen, hilft mir im Alltag dennoch weiter. Und die Kurse zur Textqualität sind natürlich ebenfalls hilfreich.

Ich glaube, dass ich von Wirkstoff Werbetext von Albert Heiser ebenfalls sehr profitiert habe, gerade was Überschriften angeht. Die Kreativtechniken sind auch super.

Sabine: Obwohl ich schon seit mehr als 13 Jahren als Texterin arbeite, habe ich mich nie eingehender mit der Theorie des Schreibens auseinandergesetzt. Ich lese am ehesten mal Blogs von anderen Textern und SEO-Profis, dann aber gezielt mehrere Artikel zu einem bestimmten Thema, bei dem ich vorwärtskommen möchte. Kurse und Videos spielen für mich gar keine Rolle.

Die Textarbeit besteht für mich aus zwei Faktoren: Talent und Handwerkszeug. Das eine hat man eben – oder nicht. Und das andere erwirbt man sich am besten durch learning by doing. Je mehr jemand schreibt, desto besser wird er – wenn er Feedback von anderen annimmt und bereit ist, immer und immer wieder an seinem Stil zu arbeiten.

Ich forsche zum Beispiel regelmäßig nach, was Kunden an meinen Texten verändern, ehe sie sie online stellen – oder was meine Lektorin schon vor der Auslieferung ändert. Das zeigt mir ganz nah an der Praxis, woran ich noch arbeiten sollte.

Patrick: Am meisten geprägt haben mich die Bücher des Klartext-Experten Thilo Baum. Ich habe vor Jahren angefangen mit 30 Minuten für besseres Schreiben. Später habe ich dann Komm’ zum Punkt gelesen. Diese Bücher haben mir wirklich die Augen geöffnet und waren wegweisend für meine heutige Arbeit. Sie haben mir gezeigt, wie klare Sprache und Perspektivwechsel funktionieren. Empfehlenswert ist außerdem das Buch Die 50 Werkzeuge für gutes Schreiben von Roy Peter Clark. Ein Werkzeugkasten für eine Sprache, die barrierefrei und unterhaltsam ist.

Waren Deine Lieblingsbücher dabei? An welchen Inhalten bist Du gewachsen? Beteilige Dich an der Diskussion in den Kommentaren!

Was hättest Du gerne zu Beginn Deiner Freiberuflichkeit gewusst?

Sabine: Ich hätte meinen Wert gerne schon früher gekannt. Ich bin mit 22 Jahren eher zufällig in die Selbstständigkeit gerutscht und hätte damals schon viel von der Ruhe brauchen können, die ich heute habe. Die kam erst mit der Zeit, als ich vieles mit etwas mehr Abstand habe betrachten können. Dazu gehört es auch, dass man nicht jedem Kunden alles recht machen kann. Heute ziehe ich schneller die Reißleine, wenn ich merke, dass ich mit einem Kunden nicht harmoniere oder er sich einen anderen Stil vorgestellt hat, und vermittle lieber einen Kollegen, der eher zu ihm passt.

Sarah: Ich hätte gerne gewusst, dass es viel schöner, gesünder und vor allem möglich ist, eine Trennung zwischen Arbeitszeit und Freizeit zu etablieren.

Patrick: Ich habe in den ersten Jahren meiner Selbstständigkeit fast jeden Job angenommen, um über die Runden zu kommen. Die Honorare waren aber vollkommen lächerlich und rückblickend erniedrigend und wenig wertschätzend. Das hätte ich mir am liebsten erspart. Allerdings: Ich habe dadurch auch gelernt, zügig zu arbeiten.

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