Ich war mies und gelangweilt in der Schule – umso aufgeregter war ich nachmittags als ehrenamtlicher Redakteur für Online-Magazine. Mit 16 Jahren legte ich die Grundsteine für meine Karriere als Schreiber. Hier gebe ich Dir Erfahrungen und Tipps für Deinen Weg zum guten Autor.

Schreiben und Ohrfeigen meiner Mentoren

In meiner Ausbildung zum Redakteur sagte mir einmal jemand aus der Akademie-Leitung:

Gidon, vielleicht ist das mit dem Journalismus nichts für Dich. Vielleicht solltest Du mehr in die Belletristik gehen; es als Buch-Autor versuchen.

Ich war kurz gekränkt. Ihren Rat empfand ich nicht als Tipp, sondern als Beleidigung, als Versuch, mich zu entmutigen. Ich wollte nunmal Journalist werden. Also schrieb ich weiter, jetzt erst recht. Ich wollte besser werden. Ich versuchte mich an Reportagen, Nachrichten, Kommentare, Überschriften, und ich kaufte mir Bücher von den bekannten Journalismus-Vordenkern. Ich schrieb, schrieb, schrieb.

Irgendwann war ich dann so weit, dass mir Menschen sagten, Gidon, das liest sich professionell. Und ich wusste, ich war meinem Ziel nähergekommen. Durch das Schreiben und durch Ohrfeigen meiner Mentoren

Zum Glück schlugen meine Mentoren mich nicht wirklich, aber ihre Kritik fühlte sich oft so an. „Na, Gidon, das schreiben wir nicht so“ – Elke färbte meinen Textentwurf für eine Pressemitteilung mehrmals rot, und ich ging in mein Büro zurück und fing von vorn an.

Nach einigen Versuchen und mehr roter Farbe nickte Sie dann langsam, während sie konzentriert meinen Text durchlas. Diese PR-Titanin mit locker 20 Jahren mehr Berufserfahrung hatte mir mit kleinen Bemerkungen, wie meine Texte ankamen und wie sie wirken sollten, viel beigebracht darüber, wie ich Worte gezielt einsetze. So, dass ich eine bestimmte Wirkung bei meinen Lesern erziele. Und das wollen wir alle, wir, die sich Autoren und Schreiber nennen:

Wir wollen wirken!

Nicht irgendwie, sondern so, wie wir es uns vorstellen.

Der einzige Weg zum guten Schreiber: Ausprobieren, Kritik abholen, neu schreiben

Ob in meiner Akademie, im ersten Job oder in meinen ersten Jahren als Selbstständiger, immer habe ich am meisten gelernt durch:

  • Ausprobieren
  • Die Reaktionen von erfahrenen Profis einholen
  • Text anpassen, weiter schreiben

Wer den nächsten großen Roman zustandebringen und sich als Künstler verewigen will, nennt mich vielleicht einen Opportunisten. Soll der Text nicht ein Ausdruck meiner edlen Autorenseele sein? Wenn der Künstler nur das macht, was das Publikum will, ist er dann noch ein Künstler?

Ich halte dagegen, was ich in meiner journalistischen Ausbildung gelernt habe: Der Autor ist ein Treuhänder des Lesers. Ich sehe mich von meinen Lesern beauftragt, ihnen zu dienen. Und das will ich in einer Sprache tun, die die Zeit des Publikums vergoldet und nicht zur Mühe macht. Und das will ich auf eine Weise, in einer Struktur tun, die den Moment des Lesers zu einem Aha-Moment macht. Viele Texte lesen sich wie Schulbücher – ein guter Autor schreibt einen Sachtext, der sich angenehm, vielleicht sogar spannend wie ein Roman liest und der fast so ergiebig ist, als würde der Leser die Erfahrung des Autors selbst machen.

Eines meiner Lieblingsbücher der Journalismus-Mentoren schenkte ich einmal einer Freundin und gestaltete dazu dieses Geschenkpapier. Darauf viele hilfreiche Zitate, was es heißt, ein guter Autor zu sein (PDF mit einem Klick aufs Bild herunterladen):

Wie lernt man, gute Texte zu schreiben? 12 Dinge, die mir geholfen haben

  • Schreiben, Kritik einholen, weiter schreiben
  • Such Dir Mentoren, von denen Du etwas lernen kannst
  • Vorbilder suchen und nachahmen (also Texter und Texte, die Dir gut gefallen. Der Mensch lernt, wie Tiere, vor allem durch Imitation. Keine Angst, Deinen eigenen Stil entwickelst Du von selbst. Such Dir die Filetstücke in fremden Stilen und mach Dein eigenes Ding daraus.)
  • Bücher von Vorbildern lesen – Bücher, die Dir helfen: mehrmals lesen! (Zum Beispiel bei mir: Associated Press-Handbuch. Journalistisches Schreiben von Rene J. Cappon, 2005) Mehr Buch-Empfehlungen findest Du in meinem Online-Kurs
  • In Sachen Marketing: Einen eigenen Blog starten, um zu sehen, was zum Beispiel bei SEO wirklich funktioniert
  • Über viele verschiedene Themen schreiben und dabei deine Lieblinge herausarbeiten
  • Nie, nie, nie mit dem Schreiben aufhören!
  • Offen bleiben und den Stil immer weiterentwickeln, sonst machst Du Rückschritte. Weiterentwickeln heißt: Deine eigenen Texte mit einigen Tagen, Wochen oder Monaten Abstand lesen und Dich fragen: Was will ich daran künftig besser machen? Dann diese Punkte in neuen Texten umsetzen.
  • Dich mit Psychologie beschäftigen. Ich liebe zum Beispiel die Vorträge von Vera F. Birkenbihl auf YouTube über Gehirngerechtes Lernen und Kommunikation. Gefressen habe ich auch die Kommunikationspsychologie und die Verständlichkeitsforschung von Friedemann Schulz von Thun und seinen Kollegen Inghard Langer und Reinhard Tausch.
  • Mich empathisch in meine Leser einfühlen und reindenken (ich stelle mir vor, wie die Person vor mir sitzt, für die ich schreibe)
  • Die Engpasskonzentrierte Strategie (eine Management-Methode, bei der Du lernst, Dich auf die Bedürfnisse einer spezifischen Zielgruppe zu konzentrieren. Neben Empathie spielt hier auch eine Rolle, mit Deiner Zielgruppe zu sprechen; sie also zum Beispiel zu fragen, was sie an einem Thema am meisten interessiert. Oder, was ihr größtes Problem im Hinblick auf das Thema ist).
  • Und erst ganz spät, in den letzten Jahren: Software zur Textanalyse benutzen (ich dachte lange Zeit, dass ich eh schon viel zu gut bin, um unsere eigene Software zu benutzen. Als ich das Tool dann zu Demo-Zwecken benutzte, merkte ich, dass meine Texte besser wurden. Denn ich rief durch das Tool das Texter-Wissen in mir stärker ab und setzte es häufiger ein.

Grundtechniken und Tipps für gute Texte im Journalismus, PR-Texte, Instagram-Texte oder Newsletter

  • Lass die Floskeln weg: Lies dazu diesen hervorragenden Artikel unserer Gastautorin Claudia Aschour: Floskeln vermeiden: Diese 11 inhaltsleeren Phrasen haben auf Deiner Homepage nichts verloren.
  • Mach Pausen: Wenn Dir nichts Gutes mehr einfällt oder Du nicht weiter kommst, mach Dir ’nen Kaffee, geh eine Runde mit dem Hund raus oder schau etwas aus dem Fenster. Steh auf! Wenn der Kopf in den Leerlauf kommt, arbeitest Du unbewusst weiter am Problem. Die richtige Idee für den nächsten Absatz, die nächste Überschrift, den richtigen Satz kommt oft aus dem Nichts.
  • Mach Dir erst eine Gliederung, dann fang mit dem Text an. Dein Text bekommt dadurch von selbst einen roten Faden. Du kannst auch einen Kernsatz entwickeln. Wie das geht, erzählt mein Interview-Partner Christian Deutsch in diesem Podcast.
  • Fass Dich kurz, kürze Deinen Text immer so weit wie möglich. Kurze Texte sind meistens besser als ausschweifende Texte. Tipps fürs Texte-Kürzen. Außerdem hier eine Checkliste fürs Kürzen von Texten.
  • Nimm Dir viel Zeit für die Überschriften Deiner Texte – sie entscheiden, ob jemand Deine Texte liest.
  • Benutze (starke) Verben statt langweiligem Nominalstil (Nicht „die Bekanntmachung erfolgt“ sondern: „Er/Sie verkündet / sagt / schreibt vor …“).
  • Sprich Deine Leser persönlich an.
  • Wechsle mittellange und kurze Sätze ab. Sprachmelodie! Wenn die Sätze Deines Textes durchschnittlich rund 15 Wörter haben: sehr gut.
  • Schreibe kurze Absätze und gliedere sie mit Zwischenüberschriften.
  • Erzähle eine kurze Geschichte, so wie ich zu Beginn dieses Textes. Knackig erzählte Geschichten lesen sich immer interessant und motivieren Deine Leser, dranzubleiben.
  • Deine Einleitung sollte in wenigen Sekunden (also in ca. zehn Wörtern) klar machen worum es geht und was der Leser hier bekommt; was hat er davon, weiterzulesen?

Gute Texte schreiben für Webseiten

Texte für Websites sind etwas Besonderes: Nutzer sind ungeduldig, wollen schnell einen Überblick haben und kommen meistens von Suchmaschinen wie Google. Die Regeln für gute SEO-Texte gehören also auch noch in den Kopf eines erfahrenen Texters.

Nutzerfreundlichkeit – Gute Texte brauchen klare Struktur und augenfreundliches Design

Nutzerfreundlichkeit spielt in Texten für Websites eine riesige Rolle. Dein Text ist mehr als ein Text; er ist ein Teil der Website, der einfach zu bedienen sein muss. Damit Dein Kopf nicht platzt, habe ich diese Checkliste für Content-Qualität geschrieben. Sie führt Dich Schritt für Schritt beim Überprüfen, ob Deine Website-Texte gut und nutzerfreundlich sind. Außerdem wichtig: Lass Deinen Text nicht irgendwie enden und baue keine Einbahnstraßen – lass den Leser wissen, was er jetzt tun soll und gib ihm Links für den nächsten Schritt.

Meine Online-Kurse für Deine Schreiber-Karriere

Meine Online-Kurse für Deine Weg zum besseren Schreiber
  • In der Zertifizierung zum Online-Texter übst Du alles ein, was ich in meinen rund 15 Jahren als Autor gelernt habe. Die Texter-Ausbildung ist ein 30-tägiges Übungsprogramm mit Lehrvideos und einer Zertifizierung der branchenweit bekannten WORTLIGA Akademie.

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