Du willst zielgruppengerecht schreiben und Deine Wunsch-Leser nicht verpassen? Mit den folgenden Grundsätzen bringst Du Deine Botschaft richtig rüber.

1. Zielgruppengerechte Ansprache: Keine allgemeine Einleitung

Fast alle Autoren lassen sich zu allgemeinen Einleitungen verleiten. Wenn ich aber einen Bericht über die besten DSLR-Kameras suche, will ich in der Einleitung nicht mit Infos darüber belästigt werden, was eine DSLR-Kamera ist. Ich will sofort finden, was ich suche. Das gilt auch für Texte, die nicht in der Suchmaschine auftauchen: Eine Info-Broschüre über Mutter-Kind-Kliniken muss in der Einleitung nicht die Definition einer solchen Klinik bringen – die Interessentin weiß schon, was sie will.

Beispiel für eine schwache, weil allgemeine Einleitung:

Quelle: https://www.minimed.at/medizinische-themen/gesundes-kind/gesundes-essen-in-der-schwangerschaft/

Vorschlag mit spezifischer Zielgruppenansprache:

Suchwort: „Gesund essen in der Schwangerschaft“ – Natürlich weiß eine werdende Mutter, dass gesundes Essen jetzt besonders wichtig ist. Der Satz darunter ist als Einleitung viel aussagekräftiger und würde die Leserinnen vermutlich mehr interessieren. Hier als Fotomontage zum Vergleich:

Mehr Beispiele für gelungene Einstiege

Quelle: https://www.gesund-ins-leben.de/fuer-familien/fit-durch-die-schwangerschaft/essen-und-trinken-in-der-schwangerschaft/

Die Einleitung ist zwar allgemein, aber bringt einen neuen Gedanken ins Spiel: die Schwangerschaft als gute Gelegenheit, gesünder zu essen.

Quelle: https://www.chefkoch.de/magazin/artikel/1944,0/Chefkoch/Ernaehrung-in-der-Schwangerschaft.html

Eine ungewöhnliche Art, ins Thema einzusteigen. Sehr gelungen: Der Text spricht die Leserin direkt an. Zwar bekommt sie in den ersten Zeilen keine neuen Informationen, dafür wird sie aber dort abgeholt, wo sie gedanklich jetzt steht. Und das auf eine sympathische Weise. Das vermittelt: „Ja, genau, hier bin ich richtig. Gleich geht’s los mit den Informationen, die ich suche.“ Diese gekonnte Einleitung geht auch auf den Mensch als emotionales Wesen ein: Viele Menschen entscheiden mit dem Bauch, ob sie Deinen Text lesen.

2. Dich in den Leser reindenken und einfühlen

Du suchst Ideen für einen guten Text? Empathie hilft. Auch Befragungen der Zielgruppe geben Dir Wissen an die Hand, was Deine Leser denken und was sie wissen wollen.

  • Schreibe nicht aus Deiner Sicht, sondern überlege, was der Leser wissen will oder was in ihm vorgeht.
  • Schreibe nichts, was sich die Zielgruppe selbst denken kann. Viele Artikel fangen an wie Schulaufsätze: Erst definiert man dort den Gegenstand, über den man schreibt, dann folgt eine weitschweifige Hinleitung zum Hauptteil, dann kommt endlich der Kern des Textes. Ein Zielgruppen-freundlicher Text leitet auf interessante, ansprechende Weise ein und liefert schnell, was der Leser erfahren will.

Es hilft, die Zielgruppe zu definieren, bevor Du schreibst. Wenn jemand anders Deinen Text schreibt, gibst Du ihm im Briefing ein Bild Deiner Zielgruppe. Aber auch für Dich selbst lohnt es sich, die Leser in wenigen Sätzen zu definieren. Hier liest Du, welche Fehler dabei passieren und wie Du am besten vorgehst.

Übung für mehr Empathie beim Schreiben:

Stell Dir vor, der Leser sitzt vor Dir und Du schreibst Deinen Text nur für diesen einen Menschen. Vielleicht kommst Du von dieser Vorstellung während des Schreibens wieder ab; hole Dich immer wieder zurück in diese Visualisierung; wer ist das, für den Du da schreibst? Was will er wissen? Was für Fragen hat sie?

3. Hol den Leser in seiner Situation ab

Wo sitzt, steht oder liegt Deine Zielgruppe, wenn sie den Text liest? Wo willst Du Dein Publikum erreichen?

  • Befriedige die Suchintention: Wenn Du den Text auf Deiner Website veröffentlichst und Besucher von Google haben willst, muss Dein Text dem Nutzer das liefern, was er mit seiner Suche bezweckt. Was will der Nutzer, dem Du diesen Text anbietest? Was kann Dein Text dazu beitragen? Will er etwas erfahren, wissen? Will er etwas kaufen und sucht Orientierung?
  • Sei interessant, vom ersten Wort an: Vielleicht soll Dein Text auch über einen Newsletter versendet werden oder bei Facebook erscheinen. In welcher Situation werden Deine Leser darauf stoßen? Was weißt Du über sie, um ihr Bedürfnis anzusprechen und Aufmerksamkeit im Bus, bei der Abendlektüre auf dem Sofa, im Büro bei der Mittagspause zu bekommen?

Beispiel: Podcast Zielgruppengerecht gestalten

Mein Podcast-Kollege Olaf Kopp und ich bemühen uns, unseren Content-Marketing-Podcast nicht länger als 50 Minuten aufzunehmen. Eigentlich ist auch das zu lang für viele Hörer, denn viele hören unsere Sendungen auf dem Arbeitsweg. Was sagt uns das außerdem? Unsere Themen sollten so eingängig sein, dass Hörer nicht Stift und Notizblock herausholen müssen, um sich alles zu merken. Denn das geht schlecht, wenn ich gerade mit der ersten Kaffee-Infusion in der Hand im schaukelnden Bus sitze.

4. Text übersichtlich gestalten

Jede Zielgruppe mag Übersicht. Mach es Nutzern einfach, Deine Kernbotschaften schnell zu überblicken. Dann fühlt sich Deine Zielgruppe schnell angesprochen und kann mit gutem Gefühl den Text von oben bis unten lesen; oder auch mal nur den Ausschnitt, der sie besonders anspricht.

5. Zielgruppengerechte Sprache: Einfach oder anspruchsvoll schreiben?

Schreib einfach, aber nicht banal! Egal für welche Zielgruppe. Professoren-Gehirne mögen einfache, gut klingende Sprache genauso gern wie Programmierer, Lehrer, Astronauten oder Verkäufer. Ausnahme: Menschen mit schlechten Deutschkenntnissen, Menschen mit Behinderung oder anderen Herausforderungen – hier hilft leichte Sprache.

Die Verständlichkeitsforschung hat untersucht, was Texte verständlich macht. Diese Regeln gelten für alle Zielgruppen. Auch unsere Textanalyse-Software baut auf diesen Regeln auf.

Informationen zielgruppengerecht aufbereiten

Wir können alles kompliziert sagen, das ist keine große Kunst und hinterlässt auch keinen besonderen Eindruck auf Leser. Eine Quelle für unnötig komplexe Sprache ist Wikipedia. Beispiel:

Verständlichkeit ist im kommunikativen Handeln eine Grundbedingung dafür, dass etwas verstanden werden kann. Sie ist bei einem Sprechakt erfüllt, wenn die vom Sprecher beabsichtigte Mitteilung einem Hörer in solcher Form übermittelt wurde, dass der sie verstehen konnte.

https://de.wikipedia.org/wiki/Verst%C3%A4ndlichkeit

Vorschlag für eine verständlichere Alternative:

Verständlichkeit ist die Bedingung dafür, dass Menschen erfolgreich kommunizieren und sich verstehen. Verständlich ist Sprache, wenn die Botschaft den Hörer und Leser wie gewünscht und gemeint erreicht.

Zu banal: Die meisten Zielgruppen brauchen Sprachmelodie

Jeder Mensch liest gern einfache Texte, also: gehirngerechte Texte. Banal sollten Texte deswegen aber nicht sein. Siehe das folgende Beispiel. Das Tool zeigt zwar noch „leicht“ an, die Sprachmelodie der Satzlängen „Zu kurz“ ist aber ein Hinweis darauf, dass der Text sich langweilig oder stockend liest. Nur kleinen Kindern oder Menschen mit Verständnisschwierigkeiten können solche Texte beim Verstehen helfen:

Bildschirmfoto unserer Software für Nutzer-freundliche Texte

Was bedeutet zielgruppengerecht?

Wird Dein Text der Zielgruppe gerecht, geht also auf ihre Bedürfnisse ein? Dann ist er zielgruppengerecht. Da gibt es die inhaltliche und die sprachliche Ebene. Fachbegriffe erklärst Du bitte, wenn Du kein Fachpublikum als Leser hast. Und zur Sprache sei gesagt: Wenn Du ein Kinderbuch schreibst, muss Dein Text Kindern gerecht werden – dann wäre der oben gezeigten Text richtig. Für Erwachsene gilt: Arbeite nach den Regeln der Verständlichkeitsforschung:

Deine Texte sollen einfach, übersichtlich gegliedert, prägnant und anregend sein.

6. Mit den Suchbegriffen deiner Zielgruppe arbeiten 

Die meisten Themen finden wir auch als Suchbegriffe bei Google – an der Art, wie Menschen diese Themen bei Google formulieren, erkennst Du, was Sie wissen wollen. Ich kam auf das Thema für diesen Artikel durch Googles verwandte Suchbegriffe.

Zielgruppengerecht schreiben: Die Sprache Deiner Zielgruppe verwenden

Auch wenn Du Experte zu einem Thema bist und es besser weißt als Deine Kunden: Spring über Deinen Schatten und verwendet die Sprache Deiner Kunden. Ein guter Text passt sich an die Zielgruppe an. Die Leser bekommen den Eindruck, dass sie hier richtig sind und müssen nicht umdenken. Wie man das eigentlich sagt kannst Du Deiner Zielgruppe später noch immer vermitteln. Jeder kommt es vor allem drauf an, dass sie sich mit Deinem Text schnell identifizieren und eine Beziehung zu Dir aufbauen.

Googles Verwandte Suchanfragen bringen uns auf neue Ideen und zeigen, was die Zielgruppe zu einem Thema noch interessiert.

Wo finde ich mehr Keywords?

Das habe ich die WORTLIGA-Expertenrunde zum Thema SEO-Texte hier gefragt. Dort findest Du auch spannende Antworten auf die Frage, wie die SEO-Experten mit Suchbegriffen im Text arbeiten.

Online-Kurs: Zertifizierte/r Online-Texter/in

In meinem Kurs zum Zertifizierten Online-Texter lernst Du, Leser richtig anzusprechen und Deine Themen zielgruppengerecht rüberzubringen. Hier kommst Du zum Kurs: https://wortliga.de/texter-ausbildung/

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar