Friedemann Schulz von Thun

Friedemann Schulz von Thun ist ein deutscher Kommunikationswissenschaftler und Psychologe. Er setzt sich seit Jahrzehnten mit dem Thema Kommunikation auseinander, unter anderem an dem von ihm gegründeten Schulz von Thun-Institut für Kommunikation in Hamburg. Besonders bekannt ist sein Modell des Kommunikationsquadrats. Außerdem entwarf er zusammen mit zwei anderen Psychologen das Hamburger Verständlichkeitsmodell.

Das Kommunikationsquadrat

Das Kommunikationsquadrat ist auch bekannt als „Vier-Ohren-Modell“ oder Nachrichtenquadrat. Es geht davon aus, dass jede Äußerung vier Botschaften enthält:

  1. Sachinformation (Daten, Fakten oder Informationen, die sich überprüfen lassen)
  2. Selbstkundgabe (eine Offenbarung über die eigene Person)
  3. Beziehungshinweis (eine Wertung des Gesprächspartners)
  4. Appell (um etwas bei dem oder der anderen zu erreichen)

Wie diese vier Ebenen in der Praxis aussehen, zeigt ein bekanntes Beispiel:

Ein Mann und eine Frau befinden sich in einem Auto. Sie fährt, er sitzt auf dem Beifahrersitz. Der Mann sagt „Du, da vorn ist grün!“

Die vier Botschaften in diesem Satz sind:

  • Die Sachinformation besteht daraus, dass „da vorne“ grün ist.
  • Auf der Beziehungsebene kritisiert der Mann möglicherweise, wie die Frau fährt.
  • Über ihn lernen wir, dass er es vielleicht eilig hat.
  • Der naheliegende Appell lautet, dass die Frau schneller fahren soll.

Hier wird schon deutlich: Wie die Botschaft lauten, hängt davon ab, wie wir sie interpretieren. Entscheidend dabei ist, dass wir nach Friedemann Schulz von Thun immer mit vier Ohren hören.

Das heißt, dass wir in einem Gespräch entscheiden, auf welche Botschaft wir besonders reagieren, welche wir überhören oder was wir in sie hinein interpretieren. So entstehen schnell Missverständnisse. Umgekehrt trägt es nach Friedemann Schulz von Thun zu einer erfolgreichen Kommunikation bei, wenn wir das Vier-Ohren-Modell im Kopf behalten.

Friedemann Schulz von Thun und das Hamburger Verständlichkeitskonzept

Neben dem Kommunikationsquadrat entwarf Friedemann Schulz von Thun zum Beispiel das Modell Inneres Team, das Werte- und Entwicklungsquadrat und das Simulationsmodell.

Das Hamburger Verständlichkeitskonzept entstand in den 70er-Jahren an der Universität Hamburg. Darin definierten Friedemann Schulz von Thun, Reinhard Tausch und Inghard Langer vier zentrale Merkmale von verständlichen Texten. Das Hamburger Verständlichkeitskonzept ist eine Basis der Wortliga Textanalyse.