Nominalstil (Nominalisierung)

Der Nominalstil ist einer der häufigsten Gründe für schwer verständliche Sprache. Klassischerweise kennst Du den Nominalstil aus der Verwaltung, Behörden, („Amtsdeutsch“), aus der Fachsprache oder aus wissenschaftlichen Texten.

Was ist eine Nominalisierung?

Beim Umformen von Verben oder andern Wortarten in den Nominalstil sprechen wir von Nominalisierung oder Substantivierung.

Texte im Nominalstil wirken weniger lebendig, denn Verben und handelnde Personen fallen oft weg. Die Sprache im Nominalstil ist dadurch häufig unpersönlich und passiv.

Wenn wir aus komplizierten Texten ansprechende und verständliche Texte machen, setzen wir also auf Verben und streichen viele der Substantive.

Ein Problem kann dabei sein, dass Sätze im Verbalstil oft nur mit Nebensätzen funktionieren. Weil Nebensätze Texte unnötig kompliziert machen können, wägen Autoren am besten von Fall zu Fall ab: Welcher Stil hilft dem Leser am meisten?

Beispiele für Nominalstil und Verbalstil gegenübergestellt:

Schreiben Autoren im Nominalstil, verwenden sie viele Nomen statt Verben. Im Verbalstil ist es andersrum: Sätze im Verbalstil haben vielen Verben und weniger Substantive.

Verbalstil:Nominalstil:
Wir besprechen uns um 14 Uhr.Die Besprechung erfolgt um 14 Uhr.
Fans lieben das Konzert.Das Konzert erfreut sich großer Beliebtheit bei Fans
Er wollte das Publikum mit seinem Text erreichen, verfehlte aber sein Ziel.Das Erreichen des Publikums mit seinem Text war sein Ziel, was in einer Verfehlung endete.
Bis wir losgehen, dauert es noch.Bis zum Losgehen dauert es noch.

Beispiele, wie Du Nominalisierungen vermeidest:

  • Lass Personen handeln, benutze Verben. Schreibe am besten Verben, die dem Leser zeigen: Hier tut eine Person etwas. „Wir führten eine Befragung durch“ ist abstrakt. Wie sieht dieses Durchführen aus? Besser: „Wir riefen unsere Kunden an und stellten ihnen Fragen.“
  • Spar Dir Substantive und schreib stattdessen, was passiert. „Die Verordnung besagt…“ ist abstrakt und unlebendig. Besser: „Der Staat verordnet mit diesem Gesetz…“.
  • Erzähle Deinem Leser eine Geschichte, anstatt trocken Sachverhalte zu schildern. „Bei dem Zusammenstoß erlitten beide Fahrer leichte Verletzungen.“ ist keine Geschichte. “Die Autos stießen auf der Kreuzung frontal zusammen. Der Fahrer des BMW schlug trotz Airbag hart mit dem Kopf auf, die Frau im Opel verstauchte sich den rechten Arm.

Wie erkenne ich eine Nominalisierung?

Eine Nominalisierung erkennst Du an folgenden Merkmalen:

  • Großgeschriebene Begriffe: Bei Wörtern mitten im Satz ist Großschreibung der erste Hinweis auf eine Nominalisierung. Aus „Wir laden Dich ein“ wird „Wir senden Dir eine Einladung“. 
  • Begleitwörter: Vor Nominalisierungen kommen oft Begleitwörter. Zum Beispiel: Das Schreiben, etwas Schönes, unser Fortschritt. Oft trennt auch ein anderes Wort die Substantivierung und das Begleitwort. Beispiel: Das jahrelange Schreiben, unser gemeinsamer Fortschritt, etwas ausgenommen Schönes.

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  • Wie Du mit natürlicher Sprache mehr erreichst
  • Emotionen wecken und Interesse des Lesers steigern
  • Texte strukturieren und auf Bedürfnisse ausrichten
  • Psychologische Prinzipien fürs Schreiben, die jeder kennen sollte