Schachtelsatz

Berühmte Autoren, Philosophen und Dichter verwenden sie. Doch wenn Du leicht verständliche Texte schreiben willst, verzichte darauf: Schachtelsätze. 

Im Folgenden gehen wir darauf ein, was ein Schachtelsatz ist, wie er auf Leser wirkt und wie Du ihn vermeidest. Außerdem geben wir Dir Tipps, um Schachtelsätze aufzulösen. 

Was ist ein Schachtelsatz?

Laut Duden ist ein Schachtelsatz ein “langer, kompliziert gebauter Satz mit mehrfach untergeordneten Nebensätzen”. Anders ausgedrückt sind mehrere Satzteile ineinander “verschachtelt”.

Schachtelsätze entstehen vor allem, wenn Du mehrere Gedanken in einen Satz packen willst. 

Tipp: Die Satzlänge spielt eine wichtige Rolle für die Textverständlichkeit. Deshalb sind Sätze im Marketing oft sehr kurz. 

Warum sich Schachtelsätze negativ auf die Verständlichkeit auswirken

Wir haben es angesprochen: in vielen Werken der Weltliteratur findest Du Schachtelsätze. Der folgende stammt aus “Der Zauberberg” von Thomas Mann:

“Wie lange Joachim eigentlich hier oben mit ihm gelebt, bis zu seiner wilden Abreise oder im ganzen genommen; wann, kalendermäßig, diese erste trotzige Abreise stattgefunden, wie lange er weggewesen, wann wieder eingetroffen und wie lange Hans Castorp selber schon hier gewesen, als er wieder eingetroffen und dann aus der Zeit gegangen war; wie lange, um Joachim beiseite zu lassen, Frau Chauchat ungegenwärtig gewesen, seit wann, etwa der Jahreszahl nach, sie wieder da war (denn sie war wieder da), und wieviel Erdenzeit Hans Castorp im ‘Berghof’ damals verbracht gehabt hatte, als sie zurückgekehrt war: bei all diesen Fragen, gesetzt, man hätte sie ihm vorgelegt, was aber niemand tat, auch er selber nicht, denn er scheute sich wohl, sie sich vorzulegen, hätte Hans Castorp mit den Fingerspitzen an seiner Stirn getrommelt und entschieden nicht recht Bescheid gewußt, – eine Erscheinung, nicht weniger beunruhigend als jene vorübergehende Unfähigkeit, die ihn am ersten Abend seines Hierseins befallen hatte, nämlich Herrn Settembrini sein eigenes Alter anzugeben, ja, eine Verschlimmerung dieses Unvermögens, denn er wußte nun allen Ernstes und dauernd nicht mehr, wie alt er sei!”

Wahrscheinlich hast Du einige Zeit gebraucht, um die Aussagen in diesem Satz zu verstehen. Vielleicht hast Du ihn mehrmals gelesen.

Deshalb sind Schachtelsätze Gift für Texte, die leicht verständlich sein sollen. Sie verlangen von Lesern, dass diese langsam und konzentriert lesen. Im Zeitalter des Internets wollen wir aber oft das Gegenteil: wir möchten Texte schnell lesen oder scannen. 

Schachtelsätze vermeiden und auflösen: Tipps

Die folgenden Tipps helfen Dir, Schachtelsätzen vorzubeugen: 

  • Verwende für jeden Gedanken oder jede Aussage einen Satz.
  • Achte darauf, dass die meisten Deiner Sätze zwischen zehn und 15 Wörter umfassen. 
  • Verzichte darauf, Nebensätze in einen Hauptsatz einzuschieben. Besser ist es, sie anzuschließen oder – in seltenen Fällen – voranzustellen.
  • Stelle das Verb nicht zu weit nach hinten. 

Schließlich ist es wichtig, Texte nach dem Schreiben auf Schachtelsätze zu untersuchen und diese aufzulösen.

Schachtelsätze: Beispiele und wie Du es besser machst

“Mein Angebot, in dem alle Details enthalten sind, so wie wir sie bei unserem letzten Treffen besprochen haben, finden Sie im Anhang.”

Hieraus lassen sich wunderbar zwei Sätze machen: 

“Mein Angebot finden Sie im Anhang. Darin sind alle Details enthalten, wie wir sie bei unserem letzten Treffen besprochen haben.”

Noch ein Beispiel für einen Schachtelsatz:

“Seit Anfang August ist die neue Verordnung, nach der alle Mitarbeiter, die dies wollen, an drei Tagen die Woche zu Hause arbeiten können, solange sie, um wichtige Team-Meetings zu ermöglichen und eine reibungslose Kommunikation zu gewährleisten, an den restlichen zwei Tagen im Büro sind, in Kraft.”

Auch in diesem Fall sind viele Gedanken zu einem Schachtelsatz zusammengefasst, die sich gut trennen lassen. Außerdem steht das Verb zu weit hinten im Satz. Das macht es noch schwerer, die Kernaussagen zu verstehen. 

Besser wäre Folgendes: 

“Seit Anfang August ist eine neue Verordnung in Kraft. Sie ermöglicht es allen Mitarbeitern, an drei Tagen in der Woche zu Hause arbeiten. Voraussetzung dafür ist, dass sie an den restlichen zwei Tagen im Büro sind. So ist eine reibungslose Kommunikation gewährleistet”.

Wichtig: Achte darauf, einen guten Textfluss beizubehalten. Nur sehr kurze Sätze aneinanderzureihen, macht Texte zwar verständlich, aber nicht schön zu lesen. 
Die WORTLIGA Textanalyse hilft Dir, Schachtelsätze zu entdecken. Dasselbe gilt für Füllwörter, Passivformulierungen, Phrasen und andere Bestandteile, die Texte schwer verständlich machen.