Arbeiten auf der Text-Baustelle

Wir sprachen mit content.de-Texterin ‚Leofinja‘ über ihre Arbeit als freie Texterin für content.de. Ihren echten Namen kennen wir nicht. Sie ist als freie Autorin auf der Textbörse aktiv und hat dort bereits über 8000 Texte verfasst. Ihre Auftraggeber kennen Sie ebenfalls nur unter ihrem Künstlernamen. Und Sie kennt, so scheint es, nur eines: Schreiben, schreiben, schreiben. Eine würdige Gesprächspartnerin, um das Stimmungsbarometer der freien Texter anzusetzen und künftigen Auftraggebern Einblicke in optimale Zusammenarbeit mit unabhängigen Autoren zu geben.

Leofinja, was muss für Sie als Texter ins Briefing?

Je detaillierter ein Briefing ist, umso konkreter lässt sich der Auftrag natürlich umsetzen. Ins Briefing gehören auf jeden Fall Wünsche zur Textform, gewünschte Struktierung, aber auch die wichtigen Keywords, sowie gesonderte Anforderungen zu Keywords, die nicht direkt mit prozentualer Listung aufgeführt sind. Vollständige und optimal übersichtliche Briefings sorgen für eine zufriedenstellende Arbeit und vermeiden Nachbesserungen aufgrund von Auftraggeber Wünschen, die aus dem Briefing nicht eindeutig ersichtlich waren.

Heavy Duty auf der Kreativ-Baustelle

Die Keywords werden von mir so gut wie möglich verbaut und ich freue mich immer, wenn diese in einbaubarer Form vorliegen. Bei Keywords mit eindeutig falscher Rechtschreibung weise ich den Auftrageber darauf hin, übernehme diese aber, damit der Textauftrag im System abgenommen werden kann. Der Auftraggeber hat im Anschluss die Möglichkeit, Fehler im Keyword auszubessern und meinen Hinweis zur Kenntnis zu nehmen. Ich achte darauf, dass sich mit den Keywords lesbare Sätze ergeben.

Was tun Sie bei Diskrepanz zwischen Thema und einzubindendem Keyword?

Hier stelle ich eine Pseudo-Relevanz her und versuche mit bestem Gewissen und allen verfügbaren Möglichkeiten, die Keywords relevant in den Text einzubringen und auf der Pseudo-Ebene einen Sinn herzustellen. Je nach Umfang der Diskrepanz fällt es manchmal einfacher und manchmal schwerer. Bei Zweifeln frage ich beim Auftraggeber nach einer Idee oder einem speziellen Wunsch bei der Integration mittels Pseudo-Relevanz.

Recherchieren Sie ob und wo Ihre Texte veröffentlicht wurden?

In den meisten Fällen nicht. Ich stoße eher durch Zufall auf Texte, die mir während der Recherchen zu Themen auffallen und mir bekannt vorkommen. Per Zufall habe ich schon einige meiner geschriebenen Texte im Internet gefunden und mich gefreut, als ich die Veröffentlichungen gesehen habe. Um geschriebene Texte gezielt zu suchen, fehlt mir die Zeit.

Wenn ja, wie reagieren Sie darauf auch mit Hinblick auf Zukünftige Aufträge?

Da ich bisher nur positive Erfahrungen machen durfte, hat dies keinen Einfluss auf zukünftige Aufträge und ich bin immer bei allen Auftraggebern bemüht, meine Worte interessant und zur Zufriedenheit einzureichen. Bei Problemen bin ich ein Ansprechpartner, mit dem man reden und der auch angebrachte Kritik vertragen kann.

Sind Sie neben Ihrer Tätigkeit in der Textbörse auch freiberufliche Texterin mit eigenen Aufträgen?

Ich schreibe ausschließlich Texte für die Textbörse. Außerhalb der Textbörse bin ich Autorin und Verlagsinhaberin. Hier habe ich viele Auftraggeber mit realisierbaren Wünschen und die Sicherheit, dass meine Arbeit entlohnt wird. Alle Anfragen, außerhalb einer Textbörse Aufträge anzunehmen habe ich abgelehnt, weil dies gegen die AGB der Textbörse verstößt.

Was hat Sie dazu bewogen, Autorin in einer Textbörse zu werden?

Da ich schon immer gern schreibe und eben auch beruflich als Autorin tätig bin, fand ich die Idee mit der Textbörse super und habe mich beworben. Ich bin täglich online und kann so eine abwechslungsreiche Tätigkeit ausüben, die mir immer neue Erkenntnisse bringt und Spaß macht. Die Vielfalt der Themen und unterschiedlichen Anforderungen der Auftraggeber sind eine Herausforderung, der ich mich gerne stelle und die für Abwechslung in meiner Tätigkeit sorgt.

Wie reagieren Sie auf kurzfristige Direct Orders?

Wenn ich online bin, nehme ich auch kurzfristige Direct Orders gerne an und bearbeite sie bevorzugt. Für Direct Orders ausgewählt zu werden zeigt mir, dass der Auftraggeber mit meiner Arbeit zufrieden ist und ich mit meiner Entscheidung zum Texten den richtigen Weg gegangen bin. Ich bin beruflich flexibel und kann daher auch spontane Aufträge problemlos annehmen und diese zeitnah bearbeiten.

Was würden Sie Ihren Auftraggebern gerne mit auf den Weg geben, damit Sie Ihre Arbeit optimal leisten können?

Ich würde es befürworten, wenn Aufträge nicht mit einer minderen Bewertung abgenommen, sondern lieber noch einmal zur Ausbesserung zurückgesandt werden. Mit einem korrekten und durchschaubare Briefing wären Probleme in der Verständigung kein Thema und es würde nicht zu Missverständnissen kommen. Ich bin immer für eine offene Klärung und dafür, dass berechtigte Kritik, aber auch der Wunsch nach Ausbesserung geäußert werden. Probleme sind zum Glück eine Seltenheit und die meisten Auftraggeber liefern Aufträge, die gut strukturiert und somit zur Zufriedenheit auszuführen sind.

Wie gehen Sie mit Textaufträgen zu unliebsamen Themen um?

Wenn ich zu einem Thema überhaupt keinen Zugang finde, lehne ich den Auftrag ab, beziehungsweise nehme ihn im Bereich Open Orders gar nicht erst an. Auch wenn ich mich mit unterschiedlichen Themata befasse gibt es Dinge, die gegen meine ethischen Vorstellungen sprechen und von mir verlangen würden, dass ich entgegen meiner eigenen Meinung und Einstellung schreibe. Diese Themen vermeide ich, weil ein für den Leser realer Nutzen nicht entstehen würde. Ich denke in dem Moment, das ein anderer Autor den Text besser verarbeiten und im Sinne des Auftraggebers ausführen kann. Bei Themen die nicht zu meinen Steckenpferden gehören, sich aber in der Verarbeitung umsetzen lassen, beiße ich gelegentlich in den sauren Apfel und mache mich mit einer fundierten Recherche trotzdem an die Arbeit. Es kann nicht nur Aufträge geben, die gezielt meinen Vorlieben entsprechen und mit einem Thema behaftet sind, welches mir liegt und gefällt.

Werden Sie von Aufträgen zu interessanten Themen besonders motiviert?

Auf jeden Fall. Themen die mich interessieren oder mir neues Wissen vermitteln fördern meine Kreativität enorm und ich bin besonders motiviert. Dies hat natürlich keinen Einfluss auf die erbrachte Arbeit, sondern nur auf meine Emotionen beim Arbeiten. Jeder von mir bearbeitete Text wird mit der gleichen Sorgfalt realisiert und bearbeitet. Leser können dem Beitrag also nicht entnehmen, ob es ein favorisiertes Thema von mir ist. Beim Schreiben versetze ich mich immer in die Position des Lesers und überlege, wie das Thema für ihn am interessantesten gestaltet und niedergeschrieben werden kann.

Was motiviert Sie dazu, sich für einen Text besonders viel Zeit zu nehmen?

Eigenes Interesse sorgt für einen höheren Zeitaufwand. Wenn ich mich für ein Thema interessiere und im Metier nicht zu 100% bewandert bin, recherchiere ich lange und auf unterschiedlichen Websites. Dies sorgt für eine zufriedenstellende und fundierte Leistung, welche mir durch die Zufriedenheit des Auftraggebers bestätigt wird. Wenn ich an einem interessanten Thema arbeite und meiner Kreativität freien Lauf lassen kann, dann investiere ich sehr viel Zeit in einen Text.

Bevorzugen Sie Aufträge mit eher niedriger Wortanzahl oder eher mit hoher Wortanzahl?

Das kommt ganz auf die Thematik an. Bei einem interessanten Thema wo mir der Auftraggeber zur Umsetzung der Anforderungen größtenteils freie Hand lässt, bevorzuge ich eine höhere Wortzahl und kann so besonders kreativ sein. Bei Texten mit Beschreibungsfunktion von Dingen, ist eine kürzere Wortzahl häufig angebrachter und sorgt dafür, dass ich nicht mit endlosen Umschreibungen arbeiten muss um auf den Punkt zu kommen. Ich kann mich mit der bevorzugten Wortanzahl nicht gezielt festlegen, sondern beziehe meine Vorliebe eher auf ein Thema. Das Thema und die Anforderungen des Auftraggebers hierzu spielendie wichtigste Rolle im Zusammenhang mit der Länge des Textes. Bei einigen Themen ist es besser, kurze Texte zu wählen und dem Leser somit einen Mehrwert durch Überschaubarkeit zu bieten.

2 Kommentare
  1. John
    John says:

    Sehr schönes Interview, wobei mich jetzt noch interessiert hätte, ab wieviel Cent pro Wort Leofinja zur „virtuellen Feder“ greift…manchmal bin ich sehr erstaunt, wieviel Text bzw. Inhalt man für 1,9 Cent schon bekommen kann – doch leben kann man davon nicht…was sich bei den Autoren ab 3 Cent aufwärts vielleicht anders gestaltet

  2. Andy
    Andy says:

    Das Interview spricht auch mir aus der Seele. Ich arbeite ebenfalls auf einem Textportal und mache es der sprachlichen Fingerübung wegen. Andererseits lerne ich dabei immer wieder interessante Dinge kennen und sehe manchmal sogar, welche Konkurrent meiner Kunden gerade was macht.
    Klar ist bei manchen Themen der Aufwand für Recherche hoch, aber wenn dafür der Gegenwert eines Capuccinos herauskommt, dann ist das durchaus nett.

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