Foto von Benjamin Brückner

Im Internet werden Texte anders gelesen als in Büchern oder Magazinen: Nutzer scannen Online-Texte, um schnell Informationen zu finden, nach denen sie suchen. Deshalb ist es wichtig, das Schreiben von Texten fürs Web zu lernen. Mit diesen 11 Tipps gelingt Ihnen das schnell.

Tipp 1: Website für mobile Nutzung optimieren

41,6 Prozent der Web-Inhalte werden mittlerweile über das Smartphone konsumiert, Tendenz steigend. Gestalten Sie Ihre Online-Texte entsprechend verdaulich, indem Sie kurze Sätze und Absätze schreiben. Für jeden neuen Gedanken, den Sie formulieren, empfiehlt sich ein neuer Absatz, damit der mobile Nutzer dem Text folgen kann und auf seinem Gerät nicht mit einer Bleiwüste konfrontiert wird.

Tipp 2: Das Bedürfnis des Lesers verstehen und bedienen

Erleichtern Sie Ihren Lesern die Navigation durch einen Text mit einem Inhaltsverzeichnis und schreiben Sie die einzelnen Textabschnitte möglichst so, dass diese unabhängig von anderen Abschnitten gelesen werden können. Dann sind auch längere Artikel kein Problem, diese können Nutzer mit unterschiedlichen Suchinteressen abholen, indem sie die für sich relevanten Stellen herauspicken.

Tipp 3: Auf Keywords optimieren

Sorgen Sie mit der Verwendung von Keywords dafür, dass Ihre Texte bei Google gefunden werden. Geben Sie hierfür Schlagworte in die Google-Suche ein und schauen Sie, welche weiteren Suchbegriffe Ihnen Google vorschlägt. Dabei handelt es sich um Keywords, nach denen im Zusammenhang zum Thema oft gesucht wird. Diese können Sie hervorragend in Ihre Texte einbetten. Die Keywords dienen Ihnen auch als Impulsgeber für Zwischenüberschriften.

Google Suggests zur Anfrage "Italienisch lernen"
Die vorgeschlagenen Keywords geben Hinweise auf wichtige Themen, zum Beispiel regionale oder technische Fragen.

Anhand dieser Impulse können Sie tiefgehender recherchieren und überlegen, ob Sie die Themen in einzelnen Abschnitten oder in komplett eigenständigen Texten ausführlicher behandeln wollen.

Achtung: Die bloße Platzierung von Keywords in Texten hat keine positiven Effekte. Google erkennt sehr genau, ob es sich um einen hilfreichen Artikel oder um Keyword-Spamming handelt.

Fokussieren Sie sich darauf, hilfreiche Texte für die Nutzer zu schreiben und die Suchintention zu befriedigen.

Tipp 4: Kurz fassen

Regelmäßig kommt in Blogs und bei Twitter die Diskussion auf, ob kürzere oder längere Texte besser im Internet funktionieren. Hierauf gibt es nur eine sinnvolle Antwort, die übrigens für alle Texte gilt:

So lang wie nötig, so kurz wie möglich.

Unser Gehirn mag keine Buchstaben auf Papier, es bevorzugt bunte Bilder und Klänge. Lesen dagegen bedeutet Arbeit für unseren Kopf, was für unsere Kreativität und Fantasiefähigkeit großartig ist. Aber wenn wir schnell und einfach an Informationen gelangen wollen, wie es den meisten Nutzern beim Lesen von Webtexten geht, dann halten Sie es kurz. Streichen Sie Füllwörter und überflüssige Passagen. Besonders radikal, aber auch effektiv gehen Sie vor, wenn Sie jeden Satz tilgen, der nicht zum Informationsgewinn beiträgt.

Ich weiß, dass ich hiermit eine romantische Vorstellung vom Texten zerstöre. Aber ich möchte Sie nur vor dem Frust einer hohen Absprungrate oder ausbleibenden Lesern bewahren.

Daher rate ich Ihnen: Schreiben Sie präzise und setzen Sie den Rotstift großzügig an. Ihre Leser werden es Ihnen danken, dass Sie deren Zeit zu schätzen wissen!

Tipp 5: Jedem Text eine Funktion zuschreiben

Wer unternehmerische Absichten mit Online-Texten verfolgt, dem empfehle ich, jedem Text eine Funktion zuzuweisen, bevor er geschrieben wird. Sie sparen sich damit viel unnütze Arbeit. Weniger ist mehr: Diese Erfahrung musste auch der Marketing-Profi Neil Patel machen.

Fragen Sie sich also noch vor der Keyword-Recherche und dem Schreiben des Textes, ob dieser Verkaufsanreize setzen, das Markenimage stärken, zu einem Newsletter-Abo führen oder die Kontaktaufnahme zu Ihnen anregen soll. Erst wenn die Funktion des Textes klar wird, ergibt die sich anschließende Texterstellung Sinn.

Tipp 6: Bildmaterial einsetzen

Infografiken, Fotos, Video-Clips: Studien haben ergeben, dass visuelle Inhalte bei den Nutzern an erster Stelle stehen – weit vor Texten. Für Mitglieder der schreibenden Zunft ist das allerdings kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen. Erstellen Sie Grafiken mit Tools wie Canva oder PicMonkey, um Ihre geschriebenen Aussagen zu unterfüttern. Bei den genannten Werkzeugen finden sie zahlreiche Vorlagen, mit denen Sie schicke Grafiken erstellen können.

Ihr Text gewinnt dadurch an Attraktivität, auch Einbettung von YouTube-Videos steigern die Lust darauf, sich mit dem Geschriebenen auseinanderzusetzen. Achten Sie hierbei auf Urheberrechte, wie auch bei der Verwendung von Stockfotos bekannter Datenbanken. Die Bedingungen unterscheiden sich je nach Anbieter, weshalb Sie vor der Verwendung unbedingt das Kleingedruckte lesen sollten.

Auch der Datenschutz spielt eine wichtige Rolle. So lautet die klassische Einbettungs-URL eines YouTube-Videos:

  • https://www.youtube.com/embed/…

Sicherer sind Sie unterwegs, wenn Sie Folgendes hinzufügen:

  • https://www.youtube-nocookie.com/embed/…

Durch diesen Zusatz werden weniger Nutzerdaten an YouTube gesendet.

Tipp 7: Erst die Headlines, dann der Text

Stellen Sie sich das Schreiben eines Textes wie eine Zugfahrt vor: Die einzelnen Sätze sind die Schienen und Zwischenüberschriften die Bahnhöfe. Es ist sinnvoll, erst Bahnhöfe zu bauen, bevor Schienen gelegt werden.

Die Umsetzung dieser Metapher beim Schreiben von Webtexten wird Ihnen die Arbeit erheblich erleichtern. Wir erinnern uns an die Erkenntnisse unter Tipp Nr. 3: Die Keyword-Vorschläge von Google sind die Orientierungspunkte, die Sie für Zwischenüberschriften verwenden können.   

Unabhängig davon, ob Sie diese Methode nutzen oder nicht, empfehle ich Ihnen, zuerst die Überschrift des Textes und dann die Zwischenüberschriften zu formulieren. Die Headlines helfen während des Schreibens enorm, nicht falsch abzubiegen, sondern einem roten Faden zu folgen.

Tipp 8: Spannend schreiben

Schon oft habe ich Texte im Internet gelesen, die vor Wissen strotzen. Sie sind nützlich, informativ, umfangreich – aber langweilig. In deutschen Schreib- und Bloggerstuben setzt sich erst langsam durch, was den US-amerikanischen Kollegen schon lange im Blut liegt: Erzählen Sie eine fesselnde Geschichte, anstatt nur trockene Fakten herunterzuschreiben!

Storytelling ist ein Konzept, an dem Sie sich orientieren können. Schreiben Sie zum Beispiel einen Blogpost aus der Sicht Ihres Wunschkunden, etwa einen fiktiven Tagebucheintrag, in dem es darum geht, wie und aus welchem Grund er auf Ihre Marke bzw. auf Ihr Produkt aufmerksam wird.

Damit schlagen Sie gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe: Zum einen holen Sie den Kunden in seiner Lebenswirklichkeit ab und führen ihn in dieser Lebenswirklichkeit an Ihr Produkt heran. Zum anderen erzählen Sie eine Geschichte, mit der Ihr Kunde sich identifizieren kann, was Vertrauen und eine Nähe zu Ihrer Marke schafft.

Tipp 9: Emotional schreiben

Es ist wichtig, dass Unternehmenstexte seriös geschrieben sind. Verwechselt wird dies häufig mit einem emotionslosen bzw. emotionsarmen Schreibstil. Das ist aber ein Irrtum, denn Texte können emotional und seriös sein. Sie sollten sogar so geschrieben werden, da es die Emotionen sind, die bei Kaufentscheidungen die wesentliche Rolle spielen, nicht rationale Erwägungen – auch wenn wir uns das im Nachhinein gern anders erklären. Für ein tiefer gehendes Verständnis der damit zusammenhängenden Prozesse empfehle ich das Buch Emotion Selling.

Deshalb lautet der klassische Weg im Marketing auch, die Schmerzpunkte des Kunden zu adressieren, um dann eine Lösung vorzuschlagen – das eigene Produkt. Wir Menschen funktionieren einfach gut über dieses Schmerz-Lust-Prinzip. Und das sollte sich auch in Online-Texten widerspiegeln.

Tipp 10: Sharing is Caring

Eigentlich wird dieses Sprichwort mit Bezug auf die Online-Netzwerkpflege verwendet. Die Community unterstützt sich, indem Artikel der Netzwerkpartner weiterempfohlen werden.

Vergessen wird hierbei schnell, sich um das Sharing der eigenen Inhalte zu kümmern, also die eigenen Online-Texte regelmäßig mit der Community zu teilen. Nutzen Sie hierfür Social-Media-Plattformen wie Facebook und Twitter. Da es sich zeitraubende Aktivitäten handelt, empfehle ich den Einsatz von Automatisierungs-Tools wie Hootsuite oder Buffer, um Ihre Beiträge im Voraus zu planen.

Die gründliche Recherche nach passenden Hashtags (Twitter, Instagram, Pinterest) und die Erstellung von begleitendem Bildmaterial (Instagram, Pinterest) bleibt Ihnen dabei allerdings nicht erspart. Jedoch lohnt sich die Mühe, wenn Sie dadurch Leser über Social Media auf Ihre Texte aufmerksam machen.

Überprüfen Sie anhand einer Website-Analyse mindestens einmal im Monat, ob das Verhältnis von Aufwand und Nutzen stimmt. Wenn Sie jede Woche drei Stunden bei Twitter investieren, aber dadurch kaum Klicks generieren, sollten Sie Ihre Social-Media-Bemühungen in effektivere Kanäle lenken.

Tipp 11: Buchtipp: Texten können von Daniela Rorig

Zu allen genannten Punkten gibt es noch viel mehr zu schreiben. Wie gut, dass meine geschätzte Texter-Kollegin und PR-Expertin Daniela Rorig genau das getan und ein exzellentes Fachbuch zum Thema Texte fürs Web veröffentlicht hat. Wenn Sie mehr über dieses starke Fachbuch erfahren wollen, werfen Sie gern einen Blick in meine Rezension.

Fazit

Wenn Sie Texte fürs Web schreiben, dann schreiben Sie in Wahrheit immer für den Nutzer. Dieser wünscht sich leserliche, spannend und unterhaltsam aufbereitete sowie nützliche Informationen, nach denen er sucht. Wenn Sie ihm diese Informationen in Form klar strukturierter, mit Grafiken und Absätzen aufgelockerter Texte liefern, sind Sie auf dem besten Wege, ausgezeichnete Online-Texte zu schreiben. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg dabei!

Über Benjamin Brückner

Gastautor und Content-Spezialist Benjamin Brückner

Benjamin Brückner ist Content-Spezialist, Autor und Gründer der Online-Plattform Freelance Start. Nach mehrjährigen Tätigkeiten in Hörfunk- und Fernsehredaktionen arbeitet er als Online-Redakteur für Deutschlands reichweitenstärkste Gründerplattform fuer-gruender.de und gibt Marketing-Tipps in seinem Blog unter https://benjamin-brueckner.de/aktuelles/.

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