Äußerer Lesewiderstand

Der äußere Lesewiderstand ist ein optisch-psychologisches Maß für die visuelle Lesbarkeit eines Textes. Er lässt sich auf die Formel Es gibt keine zweite Chance für einen ersten Eindruck zusammendampfen:

Anhand von äußeren Merkmalen wie Typografie, Layout, Satz und Farben entscheiden Leser unbewusst, ob sie einen Text lesen wollen oder nicht. Im Gegensatz dazu ist der innere Lesewiderstand ein psychologisch-kognitives Maß für die inhaltliche Lesbarkeit eines Textes.

Äußerer Lesewiderstand – Beispiele

Auch wenn die Forschung weiterhin zwischen Widerstandsmerkmalen für Print- und Onlinetexte bzw. -Publikationen unterscheidet, sind die generellen Faktoren doch identisch. Sie werden nur in ihren Nuancen anders für Print und Online umgesetzt. Zu den wichtigsten Elementen des äußeren Lesewiderstands gehören zum Beispiel:

  • Typografie: Schriftart und -größe, Laufweite der Buchstaben usw. bestimmen den allerersten Eindruck. Serifenschriften (zum Beispiel Times New Roman) bieten dem Auge im Print notwendige Anker, serifenlose Schriften (zum Beispiel Googles Roboto) passen zum starken Kontrast auf Bildschirmen. Die Typografie hat zudem Einfluss auf die Lesegeschwindigkeit und das „Wohlgefühl“ des Lesers.
  • Satz: Linksbündig gesetzte Texte wirken zwar unruhiger als Sätze im Blocksatz. Doch gerade nicht korrekt formatierte Blöcke mit wenigen Wörtern, die über die ganze Zeile verteilt sind, schrecken ab. Sie erhöhen den Lesewiderstand.
  • Hervorhebungen: Fettungen oder Kursivschreibungen sind optische Anker fürs Auge und signalisieren wichtige inhaltliche Elemente. Geht es damit wild durcheinander – oder wird praktisch alles hervorgehoben –, steigt der äußere Lesewiderstand.
  • Struktur: Klar hierarchisierte Überschriften, Mut zum Weißraum und eine Textunterteilung in kleine Absätze senken den Lesewiderstand deutlich. Sie stehen für Ordnung und Leserführung. Eine Bleiwüste suggeriert eine intellektuelle Herkulesaufgabe.

Den äußeren Lesewiderstand mit Deinen Texten brechen

Als Autor hast Du meist nur geringen Einfluss auf das Layout deines Textes. Doch mit deiner Textgestaltung kannst Du die Richtung vorgeben. Und du kannst gleichzeitig typische stilistische Stolperfallen umgehen, die sich im Layout in optisch-psychologische Widerstandsursachen übersetzen:

  1. Arbeite mit vielen, aussagekräftigen Zwischenüberschriften und führe Deinen Leser an einem (optischen) roten Faden durch den Text.
  2. Spare an Nebensätzen. Ewig lange Schachtelsätze erkennt das Auge sofort – zum Beispiel an fehlenden großen Satzanfängen. Niemand will Schachtelsätze lesen.
  3. Setze Hervorhebungen bewusst ein. Markiere nur wichtige Elemente, die die zentralen Erkenntnisse aus Deinem Text aufzeigen. Entscheide Dich für eine Form – mal fett, mal kursiv oder beides zusammen hat keinen Mehrwert, sondern wirkt beliebig und konfus.

Mit der WORTLIGA Textanalyse siehst Du, ob Deine Satzlängen stimmen – ein wichtiger Faktor für niedrigen äußeren Lesewiderstand.