Innerer Lesewiderstand

Der innere Lesewiderstand ist ein psychologisch-kognitives Maß für die Textverständlichkeit. Im Rahmen der Verständlichkeitsforschung wird untersucht, aus welchen Gründen Leser aus einem Text aussteigen oder seine Aussagen als falsch oder irrelevant ablehnen. Der simpelste und bei weitem schwerwiegendste Grund ist eine komplizierte, abgehobene Sprache voller Fachbegriffe

Im Gegensatz dazu beschreibt der äußere Lesewiderstand die optisch-psychologischen Faktoren für die Lesbarkeit eines Textes. 

Innerer Lesewiderstand – Beispiele

Kurz zusammengefasst, ist der innere Lesewiderstand umso höher, je weiter sich der Text von natürlicher Sprache entfernt.

Wissenschaftliche Abhandlungen sind dafür oft ein Paradebeispiel. Darin ist etwa von der Simplizität die Rede, obwohl es genauso gut einfach sein könnte. 

Oder die Forschungsergebnisse müssen entsprechend der Konkludierung, dass die Evidenz, wie sie sich derzeit in der Literatur präsentiert, nach bisherigem Stand noch nicht belastbar ist, nochmals verifiziert und anhand von noch zu eruierenden Korrelationen kategorisiert werden. Genauso gut könnten die Forschungsergebnisse nochmals überprüft werden, da sie nach bisherigem Forschungsstand noch nicht belastbar sind.

Trockene Aneinanderreihungen von Fachbegriffen und Fremdwörtern, Nominalstil, lange Schachtelsätze und ein hohes Maß an vorausgesetztem Wissen sollen beweisen, dass der Autor der Klügste im Raum ist – und den Wert seiner Erkenntnisse unterstreichen.

In diese Falle tappen oft auch junge Autoren jenseits wissenschaftlicher Publikationen. Sie schreiben umso komplizierter, je komplexer das Thema ist. Allerdings wird der Wert einer Aussage nicht geringer, wenn sie prägnant beschrieben wird. Im Gegenteil: Marktökonomische Verwerfungen sind weniger einprägsam als Börsenturbulenzen. 

Den inneren Lesewiderstand mit Deinen Texten brechen

Gute, verständliche Texte schmieden einen Pakt zwischen Autor und Leser: Du als Autor möchtest Wissen vermitteln. Der Leser möchte es aufnehmen. Also „redet“ ihr auf Augenhöhe. Selbst ein Fachpublikum ist dankbar, wenn es einen schwungvollen Text lesen statt rezipieren darf oder der Autor öfter mal einen buchstäblichen Punkt macht:

  • Verwende einen sinnvollen Mix aus Haupt- und Nebensätzen
  • Setze Fachbegriffe bzw. Fremdwörter sparsam ein – und erkläre sie, falls die Zielgruppe sie nicht kennt.
  • Schreibe aktiv statt in Passivsätzen.
  • Der Verbalstil wirkt lebendiger.
  • Arbeite mit sprachlichen Bildern und Gleichnissen, die einen Fakt veranschaulichen.
  • Lass Dich auf die Erwartungen und Bedürfnisse Deiner Leser ein.

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