4 Cent, 2 Cent, 0,9 Cent pro Wort: Text-Agenturen unterbieten sich mit Wortpreisen. Doch macht es heute noch Sinn, Texte auf diese Art abzurechnen? WORTLIGA-Autor Patrick Schroeder denkt in diesem Beitrag darüber nach.

In den Anfangstagen von SEO waren Suchmaschinen leicht hinters Licht zu führen. Für eine Spitzenposition im Ranking reichte es aus, lange Texte zu schreiben und sie mit Keywords vollzustopfen. Unternehmen waren wild darauf, Textwüsten auf Ihren Websites zu veröffentlichen. Die Qualität war Nebensache. Es ging um Masse und Niedrigpreis.

Text-Anbieter strömten in dieser Zeit auf den Markt. Und trugen den Wortpreis als Abrechnungsmodell in die Werbung. Preise von wenigen Cent pro Wort sind heute noch an der Tagesordnung. Und Kunden gewöhnen sich an diese Darstellung. Verständlich, Anbieter lassen sich schnell vergleichen.

Doch ist es 2020 noch ratsam, per Wortpreis abzurechnen? Und noch wichtiger: Lohnt es sich, Texte zu Niedrigpreisen einzukaufen?

Suchmaschinen belohnen Qualität und Präzision

Was ist der Job einer Suchmaschine? Suchenden Qualitätsinhalt liefern. Deswegen verbessern Programmierer die Kompetenz der Algorithmen. Mit Erfolg. Über das Suchen von Keywords ist Google längst hinaus. Ebenso lassen sich Suchmaschinen nicht mehr von Textlänge blenden. Das bestätigt auch John Müller, Webmaster Trends Analyst bei Google.

Müller sagt in einem Thread von Reddit: Die Wortanzahl ist bei Google kein Rankingfaktor mehr. Vielmehr beurteilen die Algorithmen mittlerweile die Qualität von Texten. Beiträge ranken gut, wenn sie Inhalte schnell und zügig auf den Punkt bringen. Und gleichzeitig leserfreundlich sind. Hier offenbart sich eine Schattenseite des Wortpreises.

Niedriger Wortpreis bestraft Texter für Präzision

Beiträge ranken gut, wenn sie kurz und knackig sind und den Leser schnell zum Ziel führen. Der Wortpreis ist hier kontraproduktiv. Zumindest dann, wenn der Anbieter ihn zu niedrig ansetzt. Warum? Weil er den Texter nicht dafür belohnt, Inhalte schnell auf den Punkt zu bringen. Er bestraft den Verfasser für Präzision. Schlimmstenfalls beginnt er dann damit, Beiträge unnötig aufzublasen – mit Phrasen und Wiederholungen. Oder er lässt die Arbeit ruhen, sobald er eine vereinbarte Wort-Obergrenze erreicht. Obwohl Aspekte noch nicht thematisiert sind.

Ein Beispiel: Eine Agentur bietet ein Blogbeitrag mit 1000 Wörtern für 1,3 Cent pro Wort an. Schreibt der Texter den Beitrag in zwei Stunden, arbeitet er zu einem Stundenlohn von unter 6,50 Euro. Er kann in dieser Zeit den Artikel nur zusammenklatschen. Leserfreundlichkeit, Textqualität, eine gekonnte Darstellung des Unternehmens: Diese Merkmale eines Qualitätstextes bleiben auf der Strecke. Einen Wettbewerbsvorteil bieten diese Texte nicht. Es ist ähnlich absurd, als würdest Du Dich einem Hirnchirurgen anvertrauen, der auf 400-Euro-Basis arbeitet.

Qualität ist wichtiger als die Form der Abrechnung

Ob Wortpreis, Fixpreis oder Stundenpreis: Die Kosten eines Projektes lassen sich im Angebot deckeln. Und schnell umrechnen. Die Frage ist eher: Wie lang muss ein Text sein, um Inhalte abzudecken? Und was kostet eine hochwertige Ausführung?

Ein Beispiel: Ein Profitexter sitzt sieben Stunden an einem Blogbeitrag mit 1000 Wörtern – inklusive Recherche, Texten und Abstimmung. Der Stundensatz beträgt 55 Euro. Dadurch ergibt sich ein Wortpreis von 38 Cent oder ein Fixpreis von 385 Euro. Im Vergleich zu Billiganbietern, die ein verzerrtes Bild des Profitextens erzeugen, klingt das nach viel. Doch überlege: Was hätte der Claim „BMW – Freude am Fahren“ gekostet, wenn der Dienstleister ihn nach Wortpreis abrechnet? 8 Cent? Wohl eher 200.000 Euro Festpreis. Oder 50.000 Euro pro Wort. Denn Texten ist viel mehr als nur Schreiben.

Patrick Schroeder ist Texter für komplexe und technische Themen bei der WORTLIGA Textagentur. Er ist darüber hinaus auf Content Marketing und Pressearbeit spezialisiert.

Bild von StartupStockPhotos auf Pixabay 

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