Food-Blogging: Vier erfolgreiche Blogger im Interview

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Food-Blogging Interview

Tischlein deck dich! Wir laden vier der erfolgreichsten Food-Blogger Deutschlands zum Bankett und sprechen mit ihnen über ihre Arbeitsweisen und Inspirationen. Profitiere von den Erfahrungen aus insgesamt über 30 Jahren erfolgreichem Food-Blogging.

Unsere Interviewpartner im Porträt:

Jörg Mayer ist Food-Blogger und steht unheimlich auf scharfe Soßen. Seit 2011 schreibt er zusammen mit Nadine Horn auf Eat this! darüber, dass veganes Essen, aber auch das vegane Leben alles andere als geschmacklos ist.

Sonja Stötzel ist Physiotherapeutin, Ehefrau, Mama von zwei Töchtern und schreibt seit knapp acht Jahren auf ihrem erfolgreichen Food-Blog Madame Cuisine. Sie liebt die bunte Vielfalt an Obst, Gemüse, Kräutern und Gewürzen und sagt: Die einfachsten Rezepte sind oft die besten.

Manfred Zimmer wechselte nach Abschluss seines Informatikstudiums in die Kommunikationsbranche und arbeitet seither als Texter/Konzeptioner in Hamburg. Von 1998 bis 2007 hatte er eine eigene Online-Agentur. Seit 2013 betreibt er seinen Food-Blog Herr Grün kocht.

Marc Kromer ist Grafikdesigner und selbsterklärter Bakeaholic. In seinem Blog findest Du zahlreiche Rezepte aus der amerikanischen Küche. Von vegan bis zuckerfrei: Auf Bake to the roots gibt es alles, was das Back-Herz begehrt.

Wie bist Du zum Food-Bloggen gekommen?

Jörg: Nadine und ich wurden in Vor-Blog-Zeiten regelmäßig von Familie und Freunden nach unseren Rezepten gefragt. Dummerweise konnten wir uns teilweise am nächsten Tag selbst nicht mehr daran erinnern, was da eigentlich genau in Topf und Pfanne gelandet war (und nein, daran war nicht der Kochwein schuld). Also dachten wir uns: Hey, wir könnten das Ganze doch tatsächlich mal aufschreiben und gleich ins Internet stellen. Damals steckte auf jeden Fall noch kein Erfolgsgedanke hinter dem Blog.

Sonja: Ich habe schon als Kind gerne und viel Zeit in der Küche verbracht. Mein Vater hat von seinen vielen Reisen als Purser bei der Lufthansa oft exotische Gewürze und Zutaten mitgebracht, und ich saß oft neben dem Herd und habe ihm beim Kochen zugeschaut. Zudem war meine Mutter zwar eine ganz hervorragende Bäckerin, aber das Kochen war nicht so ihr Ding. Also habe ich das dann recht schnell übernommen. „Madame Cuisine“ wurde im November 2013 geboren. Ich hatte das Gefühl, meine Leidenschaft mit der Welt teilen zu wollen. Mein Mann hat dann die Technik zum Laufen gebracht, und seitdem blogge ich.

Manfred: Während des Studiums lernte ich während eines Jobs einen Mann mit einem auffälligen Händezittern kennen. Er hatte Schweine im Akkord getötet. Das Bild ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Später sah ich Filme über die Massentierhaltung. Deshalb ging ich mit meinem Blog „Herr Grün kocht“ online. Außerdem koche ich sehr gerne. Schon als Kind habe ich viel experimentiert. Meine Mutter ist eine großartige Köchin. Von ihr habe ich einiges gelernt.

Marc: Ich habe in den 90ern einige Zeit in den USA gelebt und mich dort in die amerikanische Küche verliebt. Ganz besonders hatte es mir damals der ganze Süßkram angetan, den man an jeder Ecke kaufen konnte – Kuchen, Pies und Cupcakes. Zurück in Deutschland war es dann nicht möglich, im Supermarkt oder in einer Bäckerei einfach mal schnell Cupcakes zu besorgen, weil es das damals noch nicht gab. Es blieb also nur, sie selbst zu backen. Die passenden Rezepte hatte ich mir damals aus amerikanischen Backbüchern und von amerikanischen Blogs besorgt. Da in Deutschland zu der Zeit aber nicht immer alle Zutaten erhältlich waren, musste ich die Rezepte oft anpassen und umschreiben. Irgendwann dachte ich mir dann, dass das vermutlich vielen anderen Leuten ähnlich geht, und habe mich entschlossen alles aufzuschreiben und im Internet zu veröffentlichen. 

Hummusplatte von Eat This!
Pfirsich-Focaccia von Madame Cuisine

Was inspiriert dich zu neuen Artikeln?

Jörg: Die Liebe zum Essen, das Interesse an Zutaten, den Hintergründen von Rezeptklassikern und anderen Kulturen. Schlussendlich motiviert mich auch ein gewisser Drang, diese Dinge mit anderen Menschen teilen zu können.

Sonja: Beim Bummel über den Wochenmarkt lacht mich meist immer irgendein Gemüse an, das dann in meinem Einkaufskorb landet. Auch auf Reisen und beim Lesen von Reiseberichten oder ausländischen Food-Magazinen kommen mir oft Ideen. Und natürlich finde ich auch Inspiration in diversen Online-Kanälen – Pinterest, Instagram oder bei anderen Food-Blogs, denen ich folge.

Manfred: Ich bin grundsätzlich ein sehr begeisterungsfähiger, neugieriger und auch sehr experimentierfreudiger Mensch. Es macht Spaß, sich neue Gerichte auszudenken. Die fleischlose Küche ist eine große Herausforderung. Ich tue etwas Gutes, Klimafreundliches und es macht mir großen Spaß.

Marc: Da meine Artikel (fast) alle mit Rezepten verbunden sind, inspirieren mich natürlich die Rezepte zum Schreiben. Sie bilden die Grundlage jedes Artikels. Manchmal schreibt man dann nur relativ sachlich über das Rezept – woher stammt das Rezept, ein paar Fakten dazu oder Tipps und Tricks für die Zubereitung. Wenn man dann mal zu einem Gebäck eine spezielle Verbindung hat, weil es beispielsweise der Lieblingskuchen einer Person ist, dann ergeben sich daraus natürlich oft auch Geschichten, die man erzählen kann.

Was ist für dich das Schönste am Schreiben?

Jörg: Für mich ist das Schreiben eine Möglichkeit, auch andere Leute für die vegane Küche zu begeistern. Spannend ist auch immer der Zeitpunkt nach dem Klick auf „Veröffentlichen“. Hat es geklappt? Interessiert das, was ich recherchiert oder mir zusammengereimt habe, auch die LeserInnen?

Sonja: Ich teile gerne Erlebnisse und Erfahrungen aus meinem Alltag als berufstätige Mama mit zwei Kindern. Bei uns ist jeden Tag etwas los, und obwohl ich an und für sich gut organisiert bin, behält auch nicht selten das Chaos die Oberhand. Außerdem habe ich gemerkt, dass ich die Dinge gedanklich besser ordne und verarbeite, wenn ich darüber schreibe.

Manfred: Als Kind lernt man die einzelnen Buchstaben kennen. Dann werden Wörter und Sätze daraus. Und schließlich kann man in seinen eigenen Worten das Leben, die Welt – also alles beschreiben. Und die anderen Menschen können es lesen. Das hat mich schon immer fasziniert. Eigentlich ein Wunder. Schreiben ist für mich eine Art Befreiung.

Marc: Ich versuche immer, ein wenig Humor in meine Texte einzubringen – klappt nicht immer, aber ich bin ja auch kein professioneller Comedian. Wenn ich damit aber jemanden zum Schmunzeln bringen kann, habe ich meinen Job gut gemacht, und das freut mich dann natürlich.

Spargel-Variation von Herr Gruen
Maple-Bourbon Cupcakes von Bake to the roots

Hast du Erfahrung mit Schreibblockaden und wie gehst du damit um?

Jörg: Auf jeden Fall. Zu Schreiben macht Spaß, keine Frage, ist aber auch immer Mittel zum Zweck für uns. Bei Schreibblockaden muss ich mich einfach ablenken. Vielleicht drei, vier Sätze schreiben, egal wie sie klingen. Sozusagen bereits ahnend, dass ich sie wieder löschen werde. Dann wird Ulysses, die Schreib-App meiner Wahl, geschlossen. Beim nächsten Versuch klappt es dann meistens.

Sonja: Wenn es dazu kommt: Aufhören. Vom Schreibtisch aufstehen und irgendwas ganz anderes machen. Irgendwann kommen die Ideen dann wieder ganz von allein.

Manfred: Schreibblockaden hatte ich noch nie. Ich hoffe, ich werde auch nie eine haben. Aber im Zweifelsfall schreibe ich dann über meine Schreibblockade – meine Gefühle.

Marc: Kleine Schreibblockaden gibt es immer wieder. Wenn ich merke, dass es bei einem Artikel hakt, widme ich mich einfach einem anderen und versuche, dort etwas zu schreiben. Da ich für den Blog immer mehrere Wochen im Voraus Rezepte und Artikel vorbereite, sind kleine Blockaden nicht wirklich schlimm. Nach ein paar Stunden oder Tagen setzt man sich dann einfach wieder dran und versucht, da weiterzuschreiben, wo man aufgehört hat. Meistens funktioniert das ganz gut. Mit etwas Abstand zum Thema bemerkt man gerne auch mal die Knoten in der Denkweise von bereits geschriebenen Texten.

Was mir ebenfalls hilft, wenn es mal stockt, ist einfach die Sprache zu wechseln. Die Rezepte und Texte auf meinem Blog gibt es meist auf Deutsch und Englisch, und bei manchen Themen gehen mir die Texte im Englischen dann leichter von der Hand.

Die gleiche Frage haben wir professionellen Copywritern im Round-Up-Interview gestellt. Wie sie mit Schreibblockaden umgehen erfährst du hier

Benutzt du Tools zur Textanalyse?

Jörg: Das in Ulysses eingebaute Language-Tool zur Rechtschreibprüfung oder den Duden Mentor.

Sonja: Ich schreibe meine Texte aus dem Bauch heraus ohne eine bewusste Systematik. Die meisten meiner Texte sind Beschreibungen meines Alltags als Mutter, die permanent am Flitzen ist: Kinder hierhin, Kinder dorthin, nebenbei Arbeiten, Einkaufen, Haushalt und dann Kochen oder Backen. Da habe ich einen gewissen Stil entwickelt, der offensichtlich gut funktioniert und ankommt. 

Nach dem Schreiben nutze ich die Standard-Tools für Rechtschreibprüfung und Prüfung der Grammatik. Und vor dem Publizieren schaue ich mir die Lesbarkeitsbewertung an, die mir das Yoast Plug-in ausspuckt. Haben die Absätze eine passende Länge? Sind die Sätze nicht zu lang und verschachtelt? Verwende ich ausreichend viele Bindewörter? Mit den Hinweisen mache ich noch etwas Feintuning – allerdings richte ich mich auch nicht sklavisch nach den Empfehlungen. Denn letztendlich ist es mir wichtiger, authentisch zu sein und meinen Stil auszuprägen, als einen tollen Lesbarkeits-Score zu erreichen.

Manfred: Ich verwende eigentlich nur die Rechtschreibprüfung von Word. Ich finde sie ganz gut. Besonders bei der Bearbeitung von Flüchtigkeitsfehlern.
Ich habe zudem das Glück, dass meine Frau Lektorin ist. Früher habe ich Texte in einem durchgeschrieben und war später kaum noch in der Lage, sie umzuschreiben. Meine Frau hat mich dazu gebracht, Texte im Nachhinein zu modellieren – ein Glücksfall. Das hat mir mein Schreibleben sehr vereinfacht, und es macht auch mehr Spaß. Dafür werde ich ihr ewig dankbar sein.

Marc: Ich benutze Apps und Online-Tools für die Rechtschreibung und Grammatik, um die gröbsten Fehler zu beheben – ich muss zugeben, dass mein Schreibstil nicht immer mit der deutschen Rechtschreibung konform geht. 

Tools sind hilfreich und für viele Texter mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Halten Deine Blog-Texte den Kriterien des Textanalyse-Tools der WORTLIGA stand?

Wie wichtig ist Dir das Thema SEO bei Deinen Texten?

Jörg: Ich achte darauf, potenzielle Suchbegriffe, so gut es geht, in Texte zu integrieren. Die Lesbarkeit steht dennoch an erster Stelle.

Sonja: SEO ist für „Madame Cuisine“ elementar wichtig. Zusammen mit meinem Mann haben wir von der ersten Stunde an versucht, alle Regeln zu befolgen und alle Maßnahmen zu ergreifen, die meinen Beiträgen eine möglichst gute Visibilität bei Google & Co. bringt.

Anfangs haben wir noch wöchentlich verglichen, wie viele Besucher/Seitenaufrufe wir generieren und wie wir uns im Vergleich zu anderen Food-Blogs bezüglich Reichweite entwickeln. Irgendwann haben wir dann nur noch auf uns selbst geschaut und die Entwicklung analysiert. Im ersten Halbjahr 2021 hatten wir nun über 1 Mio. Seitenaufrufe pro Monat. Das ist ein schöner Erfolg der Arbeit und neben meinen Inhalten sicherlich auch dem Thema SEO zuzuschreiben.

Manfred: Mh – also eigentlich bin ich da sehr intuitiv. Natürlich weiß ich, was die wichtigsten Keywords sind. Aber ich recherchiere bei eigenen Texten nicht unbedingt, was Google als wichtige Schlüsselwörter erachtet. Das mache ich nur bei Auftragstexten.

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Welche Bücher, Videos, Artikel oder Kurse haben dir dabei geholfen, besser zu schreiben?

Jörg: Um ehrlich zu sein, sollten wir uns beide, also sowohl Nadine als auch ich, überhaupt mal Bücher, Videos, Artikel oder Kurse zum Thema Texten anschauen.

Sonja: Ich habe viel geschaut, wie es andere Blogger machen. Außerdem lese ich leidenschaftlich gerne Bücher und finde, dass viel Lesen hilft, mit der Sprache an sich umzugehen. 

Manfred: Bücher über das Texten habe ich nie gelesen. Es kommt mir ein wenig vor, als sei man eine Hummel und jemand erklärt, wie Hummeln fliegen. Damit will ich nicht sagen, dass ich den Hummelflug formvollendet beherrsche. Es ist mir einfach grundsätzlich zu mechanisch angelegt, mich daran zu orientieren. Was mich mehr fasziniert, sind gute JournalistInnen oder AutorInnen mit einem schönen Schreibstil, der mir noch einmal zeigt, wie wunderbar virtuos und kreativ man mit Sprache umgehen kann.

Marc: Ich muss zugeben, dass ich mir bisher weder Bücher noch Videos zum Thema Schreiben angeschaut habe. Die Grundlagen, wie man einen Text strukturiert, sind wohl noch aus Schulzeiten im Kopf. An die Prinzipien halte ich mich auch weiterhin. Wie man Texte für Webseiten und Blogs optimiert, habe ich mir über die Jahre hinweg einfach auf anderen Blogs angeschaut bzw. die Infos dafür in Artikeln über SEO zusammengesucht.

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