Portrait von Krishna-Sara Helmle

In diesem Interview sprechen wir mit Frau Krishna-Sara Helmle über das Thema Einfache Sprache.

Frau Helmle ist Inhaberin von Textöffner®, einem Büro für Leichte und für Einfache Sprache mit Sitz in Tübingen. Sie arbeitet als Trainerin und Übersetzerin für Leichte und für Einfache Sprache. In ihrer Freizeit engagiert sie sich als Stadträtin im Tübinger Gemeinderat.

Liebe Frau Helmle, vielen Dank, dass Sie dieses Interview mit uns führen. Sie sind eine Expertin für die Themen Leichte Sprache und Einfache Sprache. Können Sie unseren Leserinnen und Lesern sagen, wie Sie dazu gekommen sind, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen?

Sehr gern. Ich habe von 2008 rund zehn Jahre lang regelmäßig in meiner Freizeit als Schreibassistenz gearbeitet. Schreibassistenz bedeutet, ich habe eine Frau, die im Rollstuhl sitzt, bei ihrer Schreibarbeit unterstützt. Dazu gehörte auch das Vereinfachen von Texten. Damals wussten wir beide noch nicht, dass es sowas wie „Leichte Sprache“ gibt. Wir haben einfach intuitiv gearbeitet.

2013 gab es in Tübingen beim traditionellen Bücherfest auch eine Lesung in Einfacher Sprache. Da sind wir zusammen hingegangen und danach habe ich beschlossen, mich mit diesem Thema selbständig zu machen.

Ich habe dann eine Schulung bei der Universität Hildesheim besucht und dann ging es los.

Mit welchen Themengebieten befassen Sie sich in Ihrer Arbeit?

Bei uns kommen Texte aus ganz verschiedenen Themengebieten rein. Das kann aus dem kulturellen Bereich sein, zum Beispiel Museumstexte. Vieles kommt aus dem sozialen Bereich, beispielsweise Beratungsstellen oder Träger der freien Wohlfahrtspflege. Aber es melden sich auch regelmäßig Stadtverwaltungen oder Behörden, die sich eine Übersetzung ihrer Webseitentexte wünschen. Nächstes Jahr sind wieder Wahlen, da wird das eine oder andere Wahlprogramm dabei sein.

Für die meisten Menschen wäre es wahrscheinlich hilfreich, wenn auf Fachsprache verzichtet wird. Gibt es Gebiete, in denen Fachsprache unverzichtbar ist?

Das stimmt, es ist tatsächlich hilfreich, wenn man auf Fachsprache verzichtet und sich statt dessen leicht verständlich ausdrückt. Es ist mir sowieso schleierhaft, warum man hier in Deutschland immer noch als besonders kompetent gilt, wenn man sich besonders unverständlich ausdrücken kann.

Prinzipiell kann man alles auch leicht verständlich, also in Leichter oder in Einfacher Sprache, ausdrücken. Das soll aber kein Plädoyer dafür sein, dass man nun generell immer auf Fachsprache verzichten sollte. Es ist durchaus manchmal sinnvoll, Fachsprache zu benutzen, beispielsweise, wenn Fachleute untereinander sprechen.

Wenn Fachsprache dazu dient, einen Sachverhalt präzise zu benennen, ist es durchaus sinnvoll, einen Fachbegriff zu benutzen. Es ist nur wichtig, sich bewusst zu sein, dass man Fachsprache benutzt und man sollte in der Lage sein, sich einfacher auszudrücken, wenn man mit Fachfremden spricht.

Birgt schwer zu verstehende Sprache nicht auch Gefahren für unsere Gesellschaft?

Ja, natürlich. Nehmen wir als Beispiel eine Anleitung für eine Maschine in einem Betrieb. Wenn diese Anleitung schwer zu lesen und zu verstehen ist, werden die Mitarbeitenden im Zweifel darauf verzichten, sie zu lesen. Je nachdem, was für eine Maschine das ist, besteht erhebliche Verletzungsgefahr.

Ein weiteres Beispiel ist die politische Mitbestimmung. Wenn Texte, die mich über meine Rechte als Bürgerin einer Stadt oder eines Staates informieren sollen, schwierig zu verstehen sind, lese ich sie wahrscheinlich nicht. Dann kann ich meine Rechte vielleicht nicht wahrnehmen oder mich nicht am politischen Willensbildungsprozess beteiligen. Und das ist auf jeden Fall schlecht für die Gesellschaft.

Es gibt noch viele weitere Beispiele, die alle dafür sprechen, dass schwer zu verstehende Sprache viele Gefahren für die Gesellschaft, aber auch für jede und jeden Einzelnen birgt.

Sie haben mit Textöffner® ein eigenes Büro und arbeiten als Trainerin und Übersetzerin für Leichte Sprache. Kann man auch ohne Tool leicht verständliche Texte schreiben oder ist der Mensch in seiner subjektiven Wahrnehmung zu stark gefangen?

Tools für die Überprüfung von Übersetzungen oder von Texten, die man leicht verständlich schreiben will, finde ich sehr sinnvoll. Es weist einem ganz objektiv nach, wo man schon gut war und wo man noch weiterarbeiten sollte.

Bei Ihrem Tool gefällt mir gut, dass Sie mit verschiedenen Farben arbeiten und klare Hinweise für eine mögliche Verbesserung des Textes geben. Seitdem ich es entdeckt habe, erwähne ich es immer wieder bei Seminaren, weil es gerade für Anfänger*innen auf dem Gebiet wertvolle Hinweise gibt.

Ich nutze Prüftools wie Ihres oder auch TextLab vom CommunicationLab auch gern dafür, um dem Kunden objektiv nachweisbar zu zeigen, wie sich sein Text durch unsere Bearbeitung verbessert hat.

Vielen Dank für das Interview!

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