Von Gastautor Tom Oberbichler.

Es gibt viele Wege, einen Text zu schreiben. Manche setzen sich einfach hin und schreiben etwas herunter. Andere planen zunächst, erarbeiten sich eine Struktur … und schreiben erst dann.

Die einen schreiben (fast) jeden Text in einem Ruck, die anderen erarbeiten ihn sich Stück für Stück. Dabei gibt es nicht einen richtigen und viele falsche Wege – du musst herausfinden, welcher Weg in welcher Situation und bei welchem Text am besten zu dir passt.

Eines steht allerdings fest: Die erste Fassung deines Textes ist so gut wie nie die bestmögliche Fassung.

Warum es sich lohnt, deine Texte zu überarbeiten

Hier kommt das Überarbeiten ins Spiel. Für die meisten von uns Schreibenden lohnt es sich, diesen Schritt strikt vom Schreiben an sich zu trennen.

Statt dir schon beim Texten ständig über die Schulter zu schauen und dir Verbesserungsvorschläge zu machen, machst du das Optimieren in einem separaten Schritt.

Ich weiß aus meiner Zusammenarbeit mit vielen Autorinnen und Autoren, dass dieser Weg für eine Gruppe von Menschen nicht passt. Sie „müssen“ schon während des Schreibens – oder zumindest innerhalb einer Arbeitssession – Verbesserungen an ihren Texten machen, sonst sind sie völlig unrund.

Für die meisten von uns ist so ein Vorgehen allerdings das beste Mittel, um „nie“ fertig zu werden.

Du musst also ehrlich mit dir sein: Ist das eine Ablenkungsstrategie? Oder entspricht diese Arbeitsweise deinem Charakter?

In den Online-Schreib-Bootcamps, die ich regelmäßig veranstalte, rate ich den Teilnehmerinnen und Teilnehmern immer, die Überarbeitung erst für die Zeit unmittelbar NACH den Bootcamps einzuplanen.

Verschiedene Phasen der Überarbeitung

Ich persönlich rate dir, nach dem Schreiben einen klaren Unterbrecher zu setzen. Also den Ort zu wechseln, aufzustehen, vielleicht zu lüften und ein Glas Wasser zu trinken. Erst danach setzt du dich wieder hin und beginnst, deinen Text zu optimieren.

Während beim Schreiben vor allem deine kreative Seite gefragt ist und du meist mitten drin bist im Geschehen, brauchst du jetzt beim Überarbeiten deine analytische Seite. Auch hier ist es wirksam, nicht alles auf einmal machen zu wollen.

Inhalt

Als erstes solltest du deinen Text inhaltlich prüfen. Hier sparst du Zeit, wenn du schon vor dem Schreiben geplant hast. Jetzt geht es nämlich darum, ob der Aufbau stimmt, ob du vielleicht irgendwo einen zu großen Sprung gemacht hast und einen Zwischenschritt einbauen musst.

Jetzt gilt es auch zu klären, ob du vielleicht zu viel in deinen Text eingebaut hast. Für diese Prüfung ist es wichtig, dass du deinen Text aus mehreren Perspektiven betrachtest. Nicht nur aus deiner, sondern auch aus der deiner Leserinnen und Leser!

Stimmt inhaltlich alles, was du da schreibst? Hast du die innere Logik gewahrt? Das sind wichtige Fragen, die du beantworten musst. Genauso wie die Fragen: „Was soll noch weg?“, „Habe ich an manchen Stellen zu viel in den Text gepackt?“ Stimmt der Call-to-Action, die Handlungsaufforderung am Schluss?

Stil

Deinen Schreibstil schaust du dir in einem zweiten Durchgang an. Hier dürfen zum Beispiel Füllwörter herausfliegen, die deinen Text unnötig aufblähen.

Achte hier auch auf lokale oder regionale Färbungen in der Sprache. Das ist besonders wichtig, wenn du selbst dein Deutsch in der Schweiz oder Österreich gelernt hast und auch für Publikum in Deutschland schreibst. Was für dich selbstverständlich ist, ist andern völlig unverständlich.

Du kannst Ausdrücke, wie „heuer“ ruhig stehen lassen – dir muss nur klar sein, dass Menschen nördlich der Donau nicht wissen, dass das „dieses Jahr“ meint, um ein Beispiel zu geben.

Hier darfst auch auf die Länge und den Rhythmus deiner Sätze und Absätze achten. Lass beides gerade auf Internetseiten und Blogs bloß nicht zu lang werden – ohne in ein abgehacktes Stakkato zu verfallen.

Rechtschreibung

Am Schluss prüfst du den Text dann auf die richtige Interpunktion und Rechtschreibung. Wobei das ein Schritt ist, für den ich dir ans Herz lege, dir professionelle Hilfe zu holen.

Ein Korrektorat kostet nicht die Welt und es gibt gar nicht so wenige Menschen da draußen, die sich wirklich daran stoßen, wenn du die (fast) unvermeidlichen Tippfehler nicht eliminierst oder eliminieren lässt.

Analog oder digital überarbeiten?

Überarbeitest du deine Texte lieber direkt in der Datei am Computer oder läuft das Überarbeiten für dich besser, wenn du dir den Text ausdruckst? Das musst du ausprobieren. Nur die Praxis zeigt dir, welcher Workflow für dich am besten passt.

Eines steht aber fest: Indem du das Geschriebene nicht nur ausdruckst, sondern dir auch laut vorliest, fügst du auf jeden Fall ein wesentliches Element zu deinem Überarbeitungsprozess hinzu.

Nicht nur, dass du den auditiven Kanal, also dein Hören, einbindest. Du bist dabei auf eine andere Art konzentriert als beim „stillen“ Lesen.

Verschiedene Arten von Texten und die Überarbeitung

Den Prozess, den ich dir gerade beschrieben habe, wirst du vermutlich nicht bei jedem Text vollständig durchspielen. Das würde jeden zeitlichen Rahmen sprengen, wenn du das etwa bei jeder E-Mail machst, die du verfasst.

Bei einem Buch ist das volle Programm unerlässlich, wenn du ein gutes Buch schreiben willst. Auch für einen professionellen Blog lohnt sich der Aufwand.

Wichtig ist, dass du experimentierst und so in der Praxis herausfindest, was für DICH und DEINE Leserinnen und Leser am besten passt. So erarbeitest du dir deinen Workflow, der Schreiben und Überarbeiten beinhaltet, und gibst deinen Texten die Chance, die sie sich verdient haben.

Du hast ja bei jedem Text, den du schreibst, klare Ziele und weißt auch genau, für wen du ihn schreibst. Somit hast du die beste Grundlage, um das Beste aus deinen Texten zu machen.

Ich wünsche dir viel Spaß beim Schreiben und Überarbeiten.

Ran an die Tasten!


Über den Autor

Vom eigenen Buch hat Tom Oberbichler lange geträumt – die digitale Revolution am Buchmarkt im 21. Jahrhundert hat ihm die Tore geöffnet und er ist entschlossen durchgegangen. Das Tempo der rauschenden Entwicklung, die folgte, hat ihn zum Teil selbst überrascht. Erst ist er selbst mit seinen Ratgebern im Self-Publishing durchgestartet und begleitet seit 2012 Unternehmerinnen und Unternehmer dabei ihr Buch zu schreiben, im Self-Publishing als eBook und Taschenbuch zu veröffentlichen und erfolgreich zu vermarkten und verkaufen.

Foto: Sabine Starmayr

Tom ist Autor, Buchmentor, Kommunikationstrainer und Philosoph.

Wenn Tom nicht gerade selbst Bücher über Persönlichkeitsentwicklung oder Buchschreiben und Buchmarketing schreibt, arbeitet er mit Autorinnen und Autoren in 1:1 Mentoring-Programmen, veranstaltet online Schreib- und Buchmarketing-Bootcamps und leitet den Mission Bestseller Club – eine Self-Publishing-Community zum Schreiben und Vermarkten von Büchern.

2021 hat Tom mehr als 140 Bücher erfolgreich (mit) auf die Welt gebracht.

https://mission-bestseller.com

Tom ist übrigens auch Gastdozent in unserem neuen Kurs „Slogan-Schöpfer“ von Eva Laspas. Jetzt zum Einführungspreis buchen!

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar