Kaum ein Medium begründet den Ruf des Experten so wirkungsvoll wie das eigene Fachbuch. Potenzielle Kunden, Journalisten und andere Interessenten sehen darin einen Kompetenzausweis: Einem Buchautor trauen sie zu, dass er sich auf seinem Gebiet wirklich auskennt. Doch der Weg, ein erfolgreiches Fachbuch zu schreiben, ist steinig. Die folgenden 10 Regeln können helfen, die häufigsten Fehler zu vermeiden. Ein Gastbeitrag von Christian Deutsch.

10 Regeln und Anleitung für den Einstieg ins eigene Fachbuch

Regel 1: Klären Sie Ihre Motivation.

Ein Buch verlangt viel Ausdauer – und die Gefahr ist groß, dass sich das Projekt hinschleppt und am Ende mehr Frust als Freude bereitet. Überprüfen Sie deshalb, wie groß Ihre Motivation ist: Passt das Thema, über das Sie schreiben möchten, zu Ihnen und Ihren Zielen? Macht es Ihnen Freude? Möchten Sie wirklich viel Zeit und Energie in dieses Thema investieren? Wird es auch noch in einigen Jahren Ihr Thema sein, mit dem Sie sich positionieren möchten?

Christian Deutsch – hilft Beratern, ihr Wissen in Büchern und Fachartikeln zu bündeln.

Regel 2: Prüfen Sie, ob Ihr Wissen ein Fachbuch trägt

Wer ein Fachbuch liest, möchte sich dem Autor anvertrauen können. Er sucht Orientierung in Fragen, die für ihn wichtig sind, und erwartet, dass der Autor ihm Anregungen gibt und in seiner Arbeit weiterhilft. Verfügen Sie über genügend Wissen und eigene Erfahrungen, um diesen Anspruch einzulösen?

Praxis-Tipp: Manchmal ist es die bessere Strategie, das Buchprojekt noch etwas hinauszuschieben, weitere Erfahrungen zu sammeln und zunächst eine Serie von Fachartikeln zu schreiben. Darauf aufbauend kann das Buch folgen.

Regel 3: Nehmen Sie die Perspektive des Lesers ein

Ein erfolgreiches Buch überzeugt nicht nur fachlich, sondern trifft auch den Nerv der Zielgruppe. Klären Sie deshalb: Wer genau liest später das Buch? In welcher Situation liest er es? Stellen Sie sich eine Leserin oder einen Leser vor, geben Sie ihr oder ihm einen Namen und verfassen Sie ein kleines Porträt. So wird diese Leserin oder dieser Leser während des Buchprojekts zu einem vertrauten Begleiter – und Sie vergessen nicht, beim Konzipieren und Schreiben seine Perspektive einzunehmen.

Regel 4: Verfassen Sie einen Heißmacher

Stellen Sie sich vor, Sie möchten einen potenziellen Käufer für Ihre Buchidee begeistern – und präsentieren Sie ihm das Projekt in 15 bis 30 Zeilen. Überlegen Sie hierzu: Was ist die Kernaussage des geplanten Buches? Was ist daran neu? Was ist das eine ganz Besondere an diesem Buch? Welche Inhalte sind wichtig?

Regel 5: Formulieren Sie einen treffenden Arbeitstitel

Die wohl am meisten unterschätzte Regel! Der Arbeitstitel zwingt Sie, das Thema auf den Punkt zu bringen. An ihm richtet sich der Inhalt des Buches aus – und die große Anforderung liegt darin, das Versprechen einzulösen, das der Titel dem Leser gibt. Der Titel eines Buchs besteht in der Regel aus zwei Teilen: einer Hauptzeile und einer erklärenden Unterzeile. Folgen Sie diesem Schema.

Regel 6: Erstellen Sie eine inhaltlich angereicherte Gliederung

Die wohl größte Herausforderung! Bei jedem Buchprojekt gibt es diese intensive Phase, in der wir nach einer schlüssigen Struktur suchen – und diesen großen Augenblick, in dem aus viel Wissen und unsortierten Ideen plötzlich Klarheit entsteht: Das ist der rote Faden, genau so läuft es! Steht die grundlegende Struktur, ergibt sich daraus im nächsten Schritt ein vorläufiges Inhaltsverzeichnis. Geben Sie den Kapiteln und Unterkapiteln aussagekräftige Überschriften und notieren Sie darunter jeweils einige Stichworte zum Inhalt.

Regel 7: Legen Sie eine Ordnerstruktur an, die der Gliederung Ihres Buchprojekts folgt

Bei der Erarbeitung der Inhalte sammeln sich zahlreiche Dokumente an. Legen Sie hierfür eine Ordnerstruktur an, die dem Inhaltsverzeichnis Ihres Buches folgt, und sortieren Sie die Dokumente bei den einzelnen Unterkapiteln ein. Auf diese Weise sind später beim Schreiben alle Recherchen, Belege, Notizen, Grafiken und Gedankenblitze sofort greifbar.

Regel 8: Beginnen Sie mit einem Kapitel Ihrer Wahl

Da die Gliederung feststeht, müssen Sie die Kapitel nicht der Reihe nach verfassen. Innerhalb des Gliederungsgerüstes können Sie sich frei bewegen. Wählen Sie nach Belieben aus, mit welchem Kapitel Sie anfangen. So fällt der Start leicht – und Sie kommen zügig ins Schreiben.

Regel 9: Lassen Sie sich nicht aus dem Schreibfluss bringen

Legen Sie feste Zeiten fest, in denen Sie schreiben. Verfassen Sie möglichst einige Seiten am Stück. Halten Sie sich nicht mit einzelnen Formulierungen auf, lassen Sie sich nicht aus dem Schreibfluss bringen. Widerstehen Sie der Versuchung, fehlende Informationen sofort einzuholen. Nachrecherchieren, ergänzen und überarbeiten können Sie den Text anschließend.

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Regel 10: Achten Sie auf eine verständliche Sprache

Ein Fachbuch erfordert keinen ausgefeilten Sprachstil, sollte aber verständlich geschrieben sein. Vor allem drei Hinweise können hier helfen:

  1. Stellen Sie sich vor, Sie würden Ihrem Leser (siehe Regel 3) das Thema vortragen. Schreiben Sie so, als sprächen Sie mit ihm. Sollte der Text dadurch etwas zu umgangssprachlich ausfallen, lässt sich das mit einigen Umformulierungen und Ergänzungen problemlos auf Fachbuchniveau heben.
  2. Schreiben Sie anschaulich und konkret, indem Sie Zusammenhänge anhand von Beispielen erklären oder eigene Erfahrungen und Erlebnisse in Ihre Argumentation einbauen.
  3. Verfassen Sie Ihren Text in einfachen, verständlichen Worten. Eine gute Hilfe bietet hier das Hamburger Verständlichkeitsmodell, das anhand von vier Merkmalen die Verständlichkeit eines Textes überprüft. Nutzen Sie hierzu auch die WORTLIGA Textanalyse, der das Hamburger Modell zugrunde liegt.

Über den Autor, Christian Deutsch

Christian Deutsch ist Diplom-Volkswirt, war Redakteur der WirtschaftsWoche und begleitet ausgewählte Berater bei der Erstellung von Büchern und Artikeln. Zu seiner Website: https://deutsch-werkstatt.de/

Podcast zum Thema: Wie schreibe ich ein Fachbuch? (Anleitungen und Tipps aus der Praxis)

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

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